Hertzsche Pressung berechnen
Berechnen Sie die Kontaktspannung zweier gekrümmter Körper nach der Hertzschen Theorie. Aus Kontaktfall, Radien, Kraft und den Werkstoffkennwerten E und ν beider Körper folgen die maximale Pressung p_max, die mittlere Pressung, die Größe der Kontaktfläche (Kontaktradius a beim Punktkontakt, halbe Druckflächenbreite b beim Linienkontakt), die Annäherung der Körper sowie die maximale Schubspannung unter der Oberfläche mit ihrer Tiefe. Vier Standardfälle (Kugel-Kugel, Kugel-Ebene, Zylinder-Zylinder, Zylinder-Ebene) lassen sich je Gegenkörper auf konkav umschalten (Hohlkugel, Lagerschale). Ein optionaler Nachweis vergleicht p_max mit einer wählbaren zulässigen Pressung, live mit jeder Eingabe.
Berechnung
Modell: homogene, linear-elastische Körper, reibungsfreier Normalkontakt, Halbraumannahme (a, b « R). Reibung, Tangentialkraft, Schmierfilm und Kanteneffekte sind nicht erfasst; die Annäherung δ beim Linienkontakt ist eine Näherung für Stahl/Stahl. Allgemein gekrümmte Körper mit elliptischer Kontaktfläche sind nicht abgebildet.
Ergebnisse
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Formeln und Grundlagen
Reduzierter E-Modul
Beide Körper sind elastisch und federn, ihre Nachgiebigkeiten addieren sich zum reduzierten E-Modul E*:
Für Stahl auf Stahl (E = 210 000 N/mm², ν = 0,3) ergibt sich E* = 115 385 N/mm². In der Literatur kursieren drei Schreibweisen des reduzierten Moduls, die sich um den Faktor 2 unterscheiden; der Rechner verwendet durchgängig die E*-Konvention nach Johnson, damit die Ergebnisse eindeutig sind.
Ersatzradius R
Die Krümmungen der beiden Körper addieren sich zu einem Ersatzradius R:
Berührt der Körper eine Ebene, entfällt der zweite Term (R = R1). Ist der Gegenkörper konkav, also hohl (Kalotte, Lagerschale), schmiegt er sich an und der Radius geht mit negativem Vorzeichen ein:
Je besser die Schmiegung, desto größer R, desto größer die Kontaktfläche und desto kleiner die Pressung - das ist der Konstruktionshebel bei Rillenkugellagern und Gelenkpfannen. Für |R2| = R1 wird R unendlich (flächige Anlage), die Hertz-Theorie gilt dann nicht mehr.
Kontaktfläche und Pressung
Beim Punktkontakt ist die Kontaktfläche ein Kreis mit dem Radius:
Die Pressung verteilt sich halbkugelförmig mit dem Maximum in der Mitte:
die mittlere Pressung beträgt zwei Drittel davon. Die Annäherung der Körper ist δ = a²/R. Beim Linienkontakt wird mit der Linienlast F' = F/L gerechnet:
die mittlere Pressung π/4 davon. Merkregel: Beim Punktkontakt wächst p_max nur mit der dritten Wurzel der Kraft (doppelte Kraft, +26 %), beim Linienkontakt mit der Quadratwurzel (+41 %).
Schubspannung und statischer Nachweis
Versagensrelevant ist nicht die Oberflächenpressung, sondern die Schubspannung im Werkstoffinneren. Aus dem Tiefenverlauf der Hauptspannungen folgt für ν = 0,3 die maximale Schubspannung τ_max ≈ 0,31·p_max in der Tiefe z ≈ 0,48·a beim Punkt- und τ_max ≈ 0,30·p_max in z ≈ 0,79·b beim Linienkontakt. Diese Tiefe ist der Bezug für die erforderliche Randschichthärtung. Der statische Nachweis (Beginn des Fließens unter der Oberfläche) fordert:
Der Faktor folgt aus dem Fließbeginn nach Tresca (τ_max = Rp0,2/2), also aus dem Verhältnis τ_max/p_max. Beim Linienkontakt ist er unabhängig von der Querkontraktionszahl, weil σ_y und σ_z auf der Achse kein ν enthalten. Beim Punktkontakt hängt er von ν ab, und der Rechner setzt dort das ν des jeweiligen Werkstoffs ein statt des Tafelwerts für Stahl: Bei ν = 0,42 (POM) ergibt das 1,77·Rp0,2 statt 1,61·Rp0,2, also rund 9 Prozent mehr.
Bei einer Werkstoffpaarung sehen beide Körper dieselbe Pressung p_max, aber jeder hat sein eigenes zulässiges Niveau aus seiner eigenen Streckgrenze; maßgeblich ist das kleinere. Verglichen werden dabei die zulässigen Pressungen und nicht die Streckgrenzen - weil der Umrechnungsfaktor beim Punktkontakt von ν abhängt, kann in Ausnahmefällen der Körper mit der größeren Streckgrenze maßgeblich sein. Für gehärtete Wälzpaarungen und Schmierung gelten höhere, kontextabhängige Richtwerte.
Rechenbeispiel
Beispiel Kugel auf Ebene: Eine gehärtete Kugel mit Durchmesser 10 mm (R1 = 5 mm) wird mit F = 100 N gegen eine ebene Fläche gedrückt, beide aus Stahl (E = 210 000 N/mm², ν = 0,3). Der reduzierte Modul ist E* = 115 385 N/mm², der Ersatzradius R = 5 mm.
Der Kontaktradius wird a = (3·100·5/(4·115 385))^(1/3) = 0,148 mm. Daraus folgt die maximale Pressung p_max = 3·100/(2·π·0,148²) = 2176 N/mm², die mittlere Pressung 1451 N/mm² und die Annäherung δ = a²/R = 4,4 µm. Die Kontrollformel für Stahl/Stahl p_max = 2176·(F/d²)^(1/3) bestätigt den Wert.
Unter der Oberfläche liegt die maximale Schubspannung bei τ_max = 0,31·2176 = 675 N/mm² in der Tiefe z = 0,48·a = 0,071 mm. Gegen eine zulässige Pressung von 4200 N/mm² (gehärtete Wälzpaarung, statisch) ist die Ausnutzung 52 %, die Sicherheit S = 1,93 - der Kontakt ist statisch tragfähig.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Punkt- und Linienkontakt?
Beim Punktkontakt (Kugel-Kugel, Kugel-Ebene) berühren sich die Körper zunächst in einem Punkt, unter Last entsteht eine kreisförmige Kontaktfläche mit dem Radius a. Beim Linienkontakt (Zylinder-Zylinder, Zylinder-Ebene) berühren sie sich entlang einer Linie, unter Last entsteht ein Rechteck der Breite 2b über die tragende Länge L. Deshalb wird der Linienkontakt mit der Linienlast F' = F/L gerechnet und die Pressung steigt langsamer mit der Kraft als beim Punktkontakt.
Wie gebe ich einen konkaven Gegenkörper (Hohlkugel, Lagerschale) ein?
Wählen Sie beim zweiten Körper den Schalter konkav. Der Radius R2 wird dann mit negativem Vorzeichen verrechnet: 1/R = 1/R1 − 1/R2. Der konkave Körper schmiegt sich an, die Kontaktfläche wird größer und die Pressung kleiner. Voraussetzung ist |R2| > R1; bei nahezu gleichen Radien wird die Fläche elliptisch und die einfache Theorie unterschätzt sie - der Rechner warnt in diesem Fall.
Sieht die Pressungsverteilung beim konkaven Gegenkörper anders aus?
Nein. Mit dem negativen Radius ändern sich die Größe der Kontaktfläche und die Höhe der Pressung, nicht die Form der Verteilung: halbelliptisch über der Breite 2b beim Linienkontakt, halbellipsoidisch über der Kreisfläche beim Punktkontakt. Das Diagramm zeigt deshalb in allen Fällen dieselbe Kurvenform, nur mit anderen Achsenwerten. Der Grund liegt in der Halbraumnäherung, auf der die Hertzsche Lösung beruht: Dort geht die Geometrie beider Körper allein über den Spalt ein, also über die Summe der Krümmungen - ein negativer Summand ändert den Wert dieser Summe, nicht die Gestalt der Gleichung. Die Hütte (Das Ingenieurwissen, Bild 5-47) stellt die Verteilung sogar ausgerechnet am konkaven Fall dar, während daneben beim konvexen Fall nur die Druckfläche gezeichnet ist.
Spielt es eine Rolle, welcher Körper 1 und welcher Körper 2 ist?
Bei Kugel-Kugel und Zylinder-Zylinder mit konvexen Körpern nicht: Der reduzierte Modul 1/E* = (1−ν1²)/E1 + (1−ν2²)/E2 und die Ersatzkrümmung 1/R = 1/R1 + 1/R2 sind beide Summen, das Ergebnis ist nach dem Vertauschen identisch - auch bei ungleichen Werkstoffen. In den Fällen mit Ebene ist Körper 2 immer die Ebene; R2 geht dort gar nicht ein. Und beim konkaven Gegenkörper gehört der konvexe Körper zwingend auf R1, denn dort steht 1/R = 1/R1 − 1/R2. Wer es vertauscht, bekommt keine falsche Zahl, sondern die Meldung, dass |R2| größer als R1 sein muss.
Welchen E-Modul und welche Querkontraktionszahl soll ich ansetzen?
Für beide Körper getrennt: Stahl E = 210 000 N/mm² und ν = 0,3, Grauguss E ≈ 110 000 N/mm² und ν = 0,25, Bronze E ≈ 95 000 N/mm² und ν = 0,35, Aluminium E ≈ 70 000 N/mm² und ν = 0,33. Sie können einen Werkstoff aus der Datenbank wählen, der E und ν übernimmt, oder beide Werte frei eingeben. Die ISO 6336 rechnet Stahl mit 206 000 N/mm²; der Unterschied wirkt sich nur um etwa 1,3 Prozent auf p_max aus.
Warum ist die maximale Schubspannung wichtiger als die Oberflächenpressung?
An der Oberfläche herrscht dreiachsiger Druck, der kein Fließen auslöst. Versagen beginnt mit der Schubspannung im Werkstoffinneren, deren Maximum bei etwa 0,31·p_max (Punkt) beziehungsweise 0,300 bis 0,304·p_max (Linie, je nach Quelle: eigene Numerik 0,3003, Niemann 0,304) in einer Tiefe von 0,48·a beziehungsweise 0,78 bis 0,79·b liegt. Zusätzlich gibt es die Wechselschubspannung τ_yz (0,25·p_max in 0,5·b beim Linienkontakt, 0,215·p_max in 0,35·a beim Punktkontakt, nach Niemann), die beim Überrollen ihr Vorzeichen wechselt, oberflächennäher liegt und als eigentliche Ursache der Grübchenermüdung gilt. Genau dort entstehen bei Wälzbeanspruchung die ersten Anrisse (Pitting). Die Härtetiefe muss deshalb deutlich unter dieser Zone liegen.
Welcher der beiden Werkstoffe bestimmt die zulässige Pressung?
Der mit der kleineren zulässigen Pressung - nicht der weichere. Der E-Modul kommt im Nachweis überhaupt nicht vor; über E* senkt er nur die Pressung selbst und hilft damit beiden Körpern. Beide sehen dieselbe Pressung p_max, aber jeder hat sein eigenes zulässiges Niveau aus seiner eigenen Streckgrenze, und maßgeblich ist das kleinere. Meist ist das der Körper mit der kleineren Streckgrenze; weil der Umrechnungsfaktor beim Punktkontakt von der Querkontraktionszahl abhängt, kann es in Ausnahmefällen der andere sein. Der Rechner vergleicht deshalb die zulässigen Pressungen und schreibt darunter, von welchem Körper der maßgebliche Wert stammt. Zwei Grenzen: Bei einem spröden Partner (Keramik, Glas, Grauguss) greift dieser Nachweis nicht, dort versagt die Zugspannung am Rand der Kontaktfläche zuerst. Und bei einsatzgehärteten Teilen zählt die Festigkeit in der Tiefe der maximalen Schubspannung, nicht die Oberflächenhärte.
Wozu dient das Feld Erzeugnismaß bei den Werkstoffen?
Die Streckgrenze der Normwerkstoffe hängt vom Erzeugnismaß ab: Dickere Teile erreichen kleinere Werte, weil sie beim Vergüten langsamer durchhärten. C45E steht bei kleinen Abmessungen mit 490 N/mm² in der Tabelle und fällt darunter, sobald das Teil dicker wird. Tragen Sie das maßgebende Maß Ihres Bauteils ein, dann nimmt der Rechner die passende Stufe. Bleibt das Feld leer, gilt die kleinste Stufe und damit der höchste Wert des Werkstoffs - bei dicken Teilen ist das die unsichere Seite. Liegt die Angabe jenseits der Normtabelle, sagt der Rechner das, statt den letzten Wert stillschweigend fortzuschreiben.
Welche zulässige Pressung ist richtig?
Das hängt vom Anwendungsfall ab. Für duktilen Stahl unter ruhender Last gilt der Fließbeginn bei 1,67·Rp0,2 (Linie) beziehungsweise 1,61·Rp0,2 (Punkt). Gehärtete Wälzpaarungen ertragen statisch 4000 bis 4600 N/mm² (Niveau der statischen Tragzahl C0 mit kleiner bleibender Verformung), im Dauerbetrieb aber nur etwa 1500 N/mm². Für Schneckenrad-Bronzen oder Grauguss gelten eigene Werte. Der Rechner bietet diese Richtwerte mit Kontext und Quelle zur Auswahl an und zeigt nur die, die zur berechneten Kontaktart passen - ein Wert aus dem Kugellagerbau steht damit nicht mehr neben einem Linienkontakt. Widerspricht ein gewählter Richtwert den Werkstoffen oben, etwa eine gehärtete Wälzpaarung neben POM, weist der Rechner darauf hin, statt den Nachweis stillschweigend grün zu färben. Mischen Sie die Kontexte nicht.
Wo liegen die Grenzen dieses Rechners?
Die Hertz-Theorie setzt homogene, linear-elastische Werkstoffe und den Halbraum voraus: Die Kontaktabmessungen müssen klein gegen die Krümmungsradien sein (a, b « R). Reibung, Tangentialkräfte, Schmierfilm und Eigenspannungen sind nicht erfasst, ebenso keine Kantenüberhöhung an Rollenenden (deshalb werden Rollen bombiert). Allgemein gekrümmte Körper mit elliptischer Kontaktfläche (Kugel in Rille, gekreuzte Zylinder) erfordern die elliptische Theorie mit Beiwerten. Bei sehr weichen Werkstoffen wie Kunststoff sind die Werte wegen Viskoelastizität nur Anhaltswerte.
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