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Stirnrad-Rechner: Tragfähigkeit nach DIN 3990 / ISO 6336

Weisen Sie die Tragfähigkeit eines außenverzahnten Stirnradpaars nach: Zahnkräfte, Zahnfußspannung und Flankenpressung mit den Sicherheiten SF (Zahnfuß) und SH (Flanke), dazu die zugehörige Verzahnungsgeometrie (gerad- und schrägverzahnt, Bezugsprofil DIN 867, fester Eingriffswinkel αn = 20°), live mit jeder Eingabe. Die Frage hier ist, ob die Verzahnung die Last aushält: Die Geometrie ist nur Vorstufe, der Nachweis verlangt zusätzlich Drehmoment oder Leistung, Drehzahl, Werkstoff und Verzahnungsqualität. Geht es allein darum, ob die Verzahnung geometrisch aufgeht, führt der Rechner „Stirnrad-Geometrie mit Profilverschiebung“ weiter, etwa mit freiem Eingriffswinkel, Kopfhöhenänderung, Ersatzzähnezahlen und Normalzahndicken.

Berechnung

Vereinfachte Methode: YFa/YSa über 30°-Tangente mit Kraftangriff am Zahnkopf und Yε, KV = 1,2 pauschal, KHβ/KFβ nach Qualitätstabelle, KHα = KFα = 1. Der Eingriffswinkel liegt hier fest bei αn = 20° (Bezugsprofil DIN 867); für freie Eingriffswinkel, die Aufteilung der Profilverschiebung und die Kopfhöhenänderung ist der Rechner „Stirnrad-Geometrie mit Profilverschiebung“ zuständig.
Verzahnungsgeometrie (αn = 20°, Bezugsprofil DIN 867)
Profilverschiebung:
Werkstoff und Sicherheiten
Tragfähigkeits-Schnellcheck (DIN 3990 / ISO 6336, Dauerfestigkeit)

Werkstoffwerte sind Richtwerte aus Sekundärliteratur, keine Kurvenwerte nach ISO 6336-5.

Ergebnisse

Achs­abstand a
120 mm
Übersetzung i
3
Profilüberdeckung εα
1,6708
Gesamtüberdeckung εγ
1,6708
Fußeingriffsstörung: kleinste Reserve Δξ (Rad 1)
0,8681 mmin Ordnung

Grenzwert Δξ ≥ 0,06 mm (0,02·mn, mindestens 0,05 mm) als Toleranzzuschlag für Achsabstandsabweichung und Formkreisstreuung; maßgebend ist das schlechtere Rad. Gestört ist der Eingriff erst bei Δξ < 0. Geprüft wird die Nenngeometrie der Außenverzahnung, gefräst mit Zahnstangenwerkzeug ohne Protuberanz: keine Toleranzen, kein Schleifaufmaß, nur die Fußseite (Kopffasen und Kopfrücknahmen sind nicht modelliert).

Radpaar

Null-Achs­abstand ad
120 mm
Stirnmodul mt
3 mm
Betriebseingriffswinkel αwt
20°
Sprungüberdeckung εβ
0
Kopfkürzungsfaktor k (Ausweis)
0
Kopfspiel c
0,75 mm

Rad 1

Teilkreis d
60 mm
Grundkreis db
56,3816 mm
Kopfkreis da
66 mm
Fußkreis df
52,5 mm
Wälzkreis dw
60 mm
Profilverschiebung x
0
Er­satz­zähne­zahl zn
20
Kopfzahndicke san
2,085 mm
Fußformkreis dFf
56,4602 mm
Fußnutzkreis dNf
56,5784 mm
Reserve radial (dNf − dFf)/2
59,1 µm
Reserve Δξ (Eingriffslinie)
0,8681 mm

Rad 2

Teilkreis d
180 mm
Grundkreis db
169,1447 mm
Kopfkreis da
186 mm
Fußkreis df
172,5 mm
Wälzkreis dw
180 mm
Profilverschiebung x
0
Er­satz­zähne­zahl zn
60
Kopfzahndicke san
2,357 mm
Fußformkreis dFf
174,7793 mm
Fußnutzkreis dNf
175,7624 mm
Reserve radial (dNf − dFf)/2
491,6 µm
Reserve Δξ (Eingriffslinie)
1,8771 mm

Skizze: Teilkreise (durchgezogen), Kopfkreise (gestrichelt) und Achsabstand

12a = 120 mm
Sicherheit Zahnfuß SF - Rad 1
11in Ordnung
Sicherheit Zahnfuß SF - Rad 2
12,1in Ordnung
Sicherheit Flanke SH - Rad 1
2,46in Ordnung
Sicherheit Flanke SH - Rad 2
2,46in Ordnung
Drehmoment T1
49,39 Nm
Umfangskraft Ft
1.646,4 N
Ra­dial­kraft Fr
599,3 N
Axial­kraft Fa
0 N
Umfangsgeschwindigkeit v
4,56 m/s

Zahnfuß

YFa (Rad 1 / Rad 2)
2,8 / 2,2863
YSa (Rad 1 / Rad 2)
1,5525 / 1,7286
0,6989
1
σF0 (1 / 2)
41,68 / 37,9 N/mm²
σF (1 / 2)
78,16 / 71,05 N/mm²

Flanke

ZH
2,4946
ZE
189,8 √(N/mm²)
0,8811
1
σH0
399,02 N/mm²
σH
598,54 N/mm²

Kraftfaktoren

KA
1,25
KV
1,2
KHβ
1,5
KFβ
1,25
KHα = KFα
1
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Formeln und Grundlagen

Verzahnungsgeometrie

Die Geometrie folgt der Evolventen-Grundkette: Aus Normalmodul mn, Zähnezahlen z1/z2 und Schrägungswinkel β ergeben sich Stirnmodul, Teilkreise und Grundkreise:

mt = mn/cos β d = z·mt db = d·cos αt

Die Profilverschiebungssumme legt über die Evolventenfunktion den Betriebseingriffswinkel αwt fest, daraus folgt der Betriebs-Achsabstand:

inv α = tan α − α a = ad·cos αt/cos αwt

Im Umkehrmodus bestimmt der Rechner aus einem vorgegebenen Achsabstand die erforderliche Profilverschiebungssumme x1 + x2.

Überdeckung und Grenzwerte

Die Profilüberdeckung εα ist das Verhältnis von Eingriffsstrecke zu Eingriffsteilung und beschreibt, wie viele Zahnpaare im Mittel gleichzeitig tragen. Sie muss größer als 1 sein, üblich sind 1,1 bis 1,9 bei Geradverzahnung. Bei Schrägverzahnung kommt die Sprungüberdeckung hinzu:

εβ = b·sin β/(π·mn)

Der Rechner prüft außerdem Unterschnitt (Grenzzähnezahl, Mindest-Profilverschiebung), Spitzgrenze der Kopfzahndicke und das Kopfspiel. Die Kopfkreise werden ohne Kopfkürzung ausgegeben, der Kopfkürzungsfaktor k wird separat ausgewiesen.

Fußeingriffsstörung (Kopfkanteneingriff)

Eine brauchbare Evolvente hat die Flanke nur zwischen Fußformkreis dFf und Kopfkreis da; darunter liegt die Fußrundung des Werkzeugs. Der Eingriff beginnt aber schon am Fußnutzkreis dNf, den der Kopfkreis des Gegenrads festlegt. Greift die Kopfkante des Gegenrads unter dFf, läuft sie in die Fußrundung statt auf der Evolvente. Bedingung an beiden Rädern:

dNf ≥ dFf

Den Fußformkreis bestimmt die nutzbare Werkzeug-Kopfhöhe hN. Sie ist dieselbe Größe, die auch in der Grenzzähnezahl- und der xmin-Gleichung steht (bei DIN 867 ist hN = 0,99997·mn, deshalb funktioniert dort xmin = 1 − z·sin²α/2):

hN = mn·(hfP* − ρfP*·(1 − sin αn))

Mit dem Abstand e des Formpunkts vom Grundkreis-Berührpunkt T folgen Fußformkreis und Fußnutzkreis; Letzterer aus der Eingriffsstrecke T1T2 und dem Kopfkreis des Gegenrads:

e = d/2·sin αt − (hN − x·mn)/sin αt dFf = 2·√(e² + (db/2)²) dNf = 2·√(ξ² + (db/2)²)

Bewertet wird nicht die radiale Differenz, sondern die Reserve Δξ auf der Eingriffslinie. Nahe dem Grundkreis geht die radiale Empfindlichkeit gegen null: Ein Lehrbuch-Nullradpaar mn = 2, z = 18/71 hat radial nur 17 µm Reserve, auf der Eingriffslinie aber 0,5 mm. Grenzwert ist Δξ ≥ max(0,02·mn; 0,05 mm), abgeleitet aus einem Toleranzstapel aus Achsabstandsabweichung, Rundlauf, Teilungsabweichung und Streuung des Formkreises. Liegt eine Störung vor, sinkt die nutzbare Profilüberdeckung εα,nutz unter den geometrischen Wert; dann ist der geometrische Wert zu günstig und die Tragfähigkeitsrechnung gegenstandslos, weil sie ungestörten Evolventeneingriff voraussetzt.

Grenzen der Prüfung: nur Nennmaß ohne Toleranzen, nur die Fußseite (Kopffasen und Kopfrücknahmen sind nicht modelliert), nur Außenverzahnung, nur Wälzfräsen mit Zahnstangenwerkzeug ohne Protuberanz und ohne Schleifaufmaß (ein Schleifabsatz hebt dFf und kann eine rechnerisch grüne Auslegung stören), Werkzeug-Kopfhöhe gleich der Zahnfußhöhe des Bezugsprofils. Bei deutlichem Unterschnitt ist die geschlossene dFf-Formel nicht exakt; der Rechner fällt dort auf „nicht abgesichert“ zurück statt ein Urteil zu behaupten. Zwei Folgen hat das: Erstens ist εα,nutz dort nur noch eine untere Schranke, deshalb wird die Auslegung dann an der geometrischen Profilüberdeckung gemessen und aus der unsicheren Zahl keine Blockade abgeleitet. Zweitens bleibt eine Schranke trotzdem gültig, denn die nutzbare Evolvente kann frühestens am Grundkreis beginnen: Liegt schon die so gebildete obere Schranke der Reserve im Minus, ist die Störung gesichert und wird als solche gemeldet, auch wenn ihr Betrag offen bleibt. Bei Schrägverzahnung gilt die übliche Stirnschnitt-Näherung nach ISO 21771.

Zahnfuß-Tragfähigkeit

Der Zahnfuß-Schnellcheck rechnet in Anlehnung an DIN 3990-3 / ISO 6336-3. Die Zahnfuß-Nennspannung verwendet den Formfaktor YFa und den Spannungskorrekturfaktor YSa aus dem 30°-Tangenten-Rechenweg der Methode B, angesetzt am Zahnkopf (Methode-C-Variante mit Überdeckungsfaktor Yε):

σF0 = Ft/(b·mn)·YFa·YSa·Yε·Yβ

Mit den Kraftfaktoren KA, KV, KFβ und KFα folgt die Sicherheit:

SF = σFlim·YST/σF YST = 2

Flanken-Tragfähigkeit

Der Flanken-Schnellcheck nach DIN 3990-2 / ISO 6336-2 modelliert die Hertzsche Pressung im Wälzpunkt mit Zonenfaktor ZH, Elastizitätsfaktor ZE (aus E-Modul und Querdehnzahl berechnet), Überdeckungsfaktor Zε und Schrägenfaktor Zβ:

σH0 = ZH·ZE·Zε·Zβ·√(Ft/(d1·b)·(u+1)/u)

Die Sicherheit ist SH = σHlim/σH, maßgebend ist der weichere Werkstoff. Der Norm-Schalter berücksichtigt den Definitionsunterschied Zβ = √cos β (DIN 3990) bzw. 1/√cos β (ISO 6336).

Bewusste Vereinfachungen des Schnellchecks: Dynamikfaktor pauschal KV = 1,2 (gültig bis etwa v = 10 m/s), Breitenlastfaktoren KHβ/KFβ aus einer Qualitätsstufen-Tabelle, KHα = KFα = 1, Einzeleingriffsfaktor ZB/D = 1 und Dauerfestigkeit ohne Lebensdauer-, Schmierstoff- und Größenfaktoren. Die Werkstoffwerte σHlim/σFlim sind Richtwerte aus publizierten Streubändern, keine Kurvenwerte nach ISO 6336-5. Für einen dokumentierten Nachweis nach vollständiger Methode B ist die Norm heranzuziehen.

Rechenbeispiel

Referenzbeispiel: Ein geradverzahntes Radpaar mit mn = 3 mm, z1 = 20, z2 = 60 (u = 3), b = 40 mm überträgt P = 7,5 kW bei n1 = 1450 1/min. Daraus folgen T1 = 49,4 Nm, Ft = 1646 N und v = 4,56 m/s. Die Geometrie liefert εα = 1,67; für Rad 1 ergeben sich YFa = 2,80 und YSa = 1,55.

Mit KA = 1,25 (mäßige Stöße), KV = 1,2 und Qualität 7-8 (KHβ = 1,5 / KFβ = 1,25) sowie beiderseits 16MnCr5 einsatzgehärtet (σHlim = 1470, σFlim = 430 N/mm²) folgt: σF = 78 N/mm² und SF = 11,0 am Ritzel, σH = 598 N/mm² und SH = 2,46 an der Flanke. Typisch für einsatzgehärtete Räder ist die Flanke das maßgebende Kriterium, der Zahnfuß hat große Reserven - beide Sicherheiten liegen deutlich über den Mindestwerten.

Häufige Fragen

Was bewirkt die Profilverschiebung?

Die Profilverschiebung x verschiebt das Bezugsprofil radial nach außen (x > 0) oder innen (x < 0). Positive Werte vermeiden Unterschnitt bei kleinen Zähnezahlen, verdicken den Zahnfuß und erlauben es, einen vorgegebenen Achsabstand exakt einzuhalten. Der Rechner bestimmt im Modus „x aus Achsabstand“ die erforderliche Summe x1 + x2 automatisch.

Wann tritt Unterschnitt auf und wie vermeide ich ihn?

Beim Bezugsprofil DIN 867 mit αn = 20° liegt die theoretische Grenzzähnezahl bei etwa 17 Zähnen (praktisch 14). Darunter schneidet das Werkzeug den Zahnfuß an und schwächt ihn. Abhilfe schafft eine positive Profilverschiebung von mindestens xmin = 1 − z·sin²αn/2; der Rechner warnt und nennt den erforderlichen Wert.

Was ist eine Fußeingriffsstörung und wie erkenne ich sie?

Die Flanke ist nur zwischen Fußformkreis dFf und Kopfkreis eine Evolvente, darunter liegt die Fußrundung. Ist der Fußnutzkreis dNf, den der Kopfkreis des Gegenrads vorgibt, kleiner als dFf, greift die Kopfkante in die Fußrundung: Der Eingriff ist gestört, es entsteht Kantentragen mit Geräusch und Verschleiß. Typisch tritt das bei stark negativer Profilverschiebungssumme oder großen Kopfkreisen auf. Der Rechner gibt dFf, dNf, die radiale Reserve und die maßgebende Reserve Δξ auf der Eingriffslinie je Rad aus und bewertet sie mit Δξ ≥ max(0,02·mn; 0,05 mm).

Warum wird die Reserve auf der Eingriffslinie bewertet und nicht radial?

Weil die radiale Differenz nahe dem Grundkreis unempfindlich wird: dR/dξ geht dort gegen null. Ein völlig normales Nullradpaar mit mn = 2 und z = 18/71 hat radial nur 17 µm Reserve, auf der Eingriffslinie aber 0,5 mm; eine radiale Schranke von 50 µm würde es fälschlich verwerfen. Die radiale Differenz dNf − dFf wird trotzdem ausgegeben, weil sie in der Praxis die geläufige Kenngröße ist.

Was sagt der Überdeckungsgrad aus?

Die Profilüberdeckung εα gibt an, wie viele Zahnpaare im Mittel gleichzeitig im Eingriff sind. Werte unter 1 bedeuten Eingriffsunterbrechung und sind unzulässig, unter 1,1 wird es kritisch (Geräusch, Stöße). Bei Schrägverzahnung erhöht die Sprungüberdeckung εβ die Laufruhe zusätzlich; die Gesamtüberdeckung ist εγ = εα + εβ.

Wie genau ist der Tragfähigkeits-Schnellcheck?

Die Geometriefaktoren YFa/YSa werden exakt über die 30°-Tangente berechnet, die Kraftfaktoren sind bewusst vereinfacht (KV = 1,2 pauschal, KHβ/KFβ nach Qualitätstabelle, KHα = KFα = 1) und es gilt Dauerfestigkeit. Das Ergebnis eignet sich für Vorauslegung und Plausibilisierung. Für einen belastbaren, dokumentierten Nachweis sind die vollständige Methode B nach DIN 3990 / ISO 6336 und Werkstoffwerte nach ISO 6336-5 erforderlich.

Worin unterscheiden sich DIN 3990 und ISO 6336?

Beide Normen teilen dasselbe Grundkonzept. Praktisch relevant im Rechner ist der Schrägenfaktor der Flanke: DIN 3990 verwendet Zβ = √cos β, ISO 6336 (ab 2006) den Kehrwert 1/√cos β - bei β = 15° immerhin rund 3,5 % Unterschied auf σH0. Weitere Unterschiede (YB, YDT, YNT-Verlauf) betreffen Sonderfälle außerhalb dieses Schnellchecks.

Woher stammen die Werkstoffkennwerte σHlim und σFlim?

Die hinterlegten Werte sind Richtwerte aus publizierten Streubändern der Sekundärliteratur (z. B. 16MnCr5 einsatzgehärtet: σHlim ≈ 1470, σFlim ≈ 430 N/mm²). Die verbindlichen, härte- und qualitätsabhängigen Kurven stehen in ISO 6336-5 bzw. DIN 3990-5 und sind für eine Endauslegung maßgebend.

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