MRMaschinenbaurechnerBerechnungstools für den Maschinenbau

Bremsenauslegung berechnen

Ermitteln Sie das erforderliche Bremsmoment für zwei Fälle: statisch als Sicherheit gegen ein treibendes Lastmoment (M_Br = M_Last·f_SB) und dynamisch für das Verzögern eines Gesamtträgheitsmoments von einer Drehzahl auf null in vorgegebener Zeit (M_Br = J·ω/t + M_Last). Zusätzlich liefert der Rechner die Bremsenergie je Bremsung und die daraus zulässige Schalthäufigkeit, live mit jeder Eingabe und mit Ampelbewertung gegen ein gewähltes Bremsmoment.

Bremsen-Rechner

Nachweisart
Eingaben

Modell: ideale Bremse mit konstantem Bremsmoment, Verzögern von n auf 0 mit konstanter Winkelverzögerung. Reibwertstreuung, Ansprech- und Verzugszeiten, Getriebewirkungsgrad zwischen Bremse und Last sowie thermische Grenzlastfälle sind nicht enthalten und gesondert zu prüfen. Dimensionierungswerkzeug, kein sicherheitsgerichteter Nachweis.

Export

Ergebnisse

Berechnung läuft …

Formeln und Grundlagen

Der statische Nachweis sichert das Halten gegen ein treibendes Lastmoment, etwa an einer Hubachse oder einem schräg stehenden Antrieb. Das erforderliche Bremsmoment ist M_Br,erf = M_Last·f_SB mit dem Lastmoment M_Last am Bremsort und dem geforderten Sicherheitsfaktor f_SB. Umgekehrt ist die vorhandene Sicherheit eines gewählten Bremsmoments f_SB,vorh = M_Br,vorh/M_Last. Übliche Sicherheiten liegen je nach Anwendung und Vorschrift bei 1,5 bis 2, bei Personenschutz auch höher.

Der dynamische Nachweis dimensioniert die Bremse für das Verzögern. Aus der Anfangsdrehzahl n folgt die Kreisfrequenz ω = 2π·n/60. Um das auf den Bremsort bezogene Gesamtträgheitsmoment J_ges in der Bremszeit t von ω auf null zu bringen, ist ein Verzögerungsmoment M_a = J_ges·ω/t nötig. Wirkt gleichzeitig ein treibendes Lastmoment, muss die Bremse es zusätzlich aufnehmen: M_Br,erf = J_ges·ω/t + M_Last. Ein bremsendes (die Bewegung hemmendes) Lastmoment würde das erforderliche Bremsmoment dagegen verringern.

Für die Wärmeauslegung zählt die Bremsenergie je Bremsung: W_Br = ½·J·ω². Diese Rotationsenergie wird beim Verzögern in Reibwärme umgesetzt; ein treibendes Lastmoment über den Bremsweg erhöht sie zusätzlich. Aus der thermisch zulässigen Bremsarbeit je Stunde W_th/h,zul und W_Br folgt die zulässige Schalthäufigkeit als Bremsungen je Stunde = W_th/h,zul / W_Br. Sie begrenzt in vielen Anwendungen die Taktrate stärker als das reine Bremsmoment.

Rechenbeispiel

Statisch: Ein treibendes Lastmoment von M_Last = 25 Nm soll mit dem Sicherheitsfaktor f_SB = 1,5 gehalten werden. Das erforderliche Bremsmoment ist M_Br,erf = 25·1,5 = 37,5 Nm. Eine gewählte Bremse mit M_Br,vorh = 50 Nm erfüllt den Nachweis; ihre vorhandene Sicherheit beträgt 50/25 = 2,0.

Dynamisch: Ein Gesamtträgheitsmoment J_ges = 0,15 kg·m² soll aus n = 1400 1/min in t = 0,5 s auf null verzögert werden, ohne treibendes Lastmoment. Mit ω = 2π·1400/60 = 146,6 rad/s folgt M_Br,erf = 0,15·146,6/0,5 = 43,98 Nm.

Die Bremsenergie je Bremsung ist W_Br = ½·0,15·146,6² ≈ 1612 J. Bei einer thermisch zulässigen Bremsarbeit von zum Beispiel 100 000 J je Stunde ergibt sich eine zulässige Schalthäufigkeit von rund 62 Bremsungen je Stunde – oberhalb dieser Rate wird die Bremse thermisch überlastet, obwohl das Bremsmoment ausreicht.

Häufige Fragen

Wann rechne ich statisch, wann dynamisch?

Statisch, wenn die Bremse eine ruhende, aber treibende Last sicher halten soll (Haltebremse an einer Hubachse). Dynamisch, wenn sie eine drehende Masse aktiv abbremsen soll (Stoppbremse). Muss eine Bremse beides leisten, sind beide Nachweise zu führen und das größere erforderliche Bremsmoment ist maßgebend.

Wie wähle ich den Sicherheitsfaktor f_SB?

Der Faktor deckt Reibwertstreuung, Verschleiß und Unsicherheiten des Lastmoments ab. Für Haltebremsen sind 1,5 bis 2,0 üblich; bei Personen- oder Lastaufzügen und sicherheitsgerichteten Funktionen gelten höhere, oft normativ vorgegebene Werte. Der Rechner nutzt den eingegebenen Wert unverändert.

Warum steigt das dynamische Bremsmoment mit der Drehzahl?

Weil das Verzögerungsmoment M_a = J·ω/t proportional zur Kreisfrequenz ω = 2π·n/60 ist. Doppelte Drehzahl bedeutet bei gleicher Bremszeit doppeltes Verzögerungsmoment. Kürzere Bremszeiten erhöhen es weiter, da t im Nenner steht – ein Not-Halt mit kleinem t verlangt deutlich mehr Bremsmoment als ein sanftes Stoppen.

Wieso begrenzt die Schalthäufigkeit die Bremse zusätzlich?

Jede Bremsung setzt die Energie W_Br = ½·J·ω² in Wärme um. Bei hoher Taktrate summiert sich diese Wärme schneller, als die Bremse sie abführen kann. Überschreitet die eingebrachte Bremsarbeit je Stunde die thermisch zulässige Grenze, überhitzen Reibbelag und Bremse – unabhängig davon, ob das Bremsmoment ausreicht. Deshalb ist neben dem Moment immer die thermische Grenze zu prüfen.

Was ist bei einem treibenden gegenüber einem bremsenden Lastmoment zu beachten?

Ein treibendes Lastmoment (zum Beispiel Schwerkraft an einer Hubachse) wirkt in Bewegungsrichtung und muss von der Bremse zusätzlich aufgenommen werden – es erhöht das erforderliche Bremsmoment. Ein bremsendes Lastmoment (Reibung, Prozesskraft) hemmt die Bewegung und würde es verringern. Der Rechner addiert das eingegebene Lastmoment; ein hemmendes Moment ist konservativ mit 0 anzusetzen.

Verwandte Tools