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Klebeverbindung & Überlappklebung berechnen (DIN EN 1465)

Weisen Sie eine einschnittige Überlappklebung gegen die mittlere Scherspannung nach: Aus Überlappungslänge, Klebebreite, Belastung und Klebstoff-Scherfestigkeit folgen die vorhandene und zulässige Scherspannung, die Ausnutzung mit Ampelbewertung und die erforderliche Überlappungslänge, live mit jeder Eingabe.

Berechnung

Geometrie
Belastung
Klebstoff
Sicherheit

Richtwert S = 2,5, üblicher Bereich 2 bis 4 - wegen der ungleichmäßigen realen Spannungsverteilung stets S ≥ 2 ansetzen.

Fügeteildicke (optional)

Optionale Angabe für das Verhältnis l_ü/s (Auslegungsregel ≈ 10…20). Ohne Eingabe wird nur die Überlappungslänge bewertet.

Modell: mittlere Scherspannung der einschnittigen Überlappklebung nach DIN EN 1465, keine Berechnung der realen ungleichförmigen Spannungsverteilung. Vordimensionierungswerkzeug - Oberflächenvorbehandlung und Herstellerdatenblatt sind für die endgültige Auslegung maßgebend.

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Formeln und Grundlagen

Warum Kleben

Klebeverbindungen leiten Kräfte flächig statt punktuell ein - im Gegensatz zu Niet- oder Schraubverbindungen entsteht keine Kerbwirkung durch Bohrungen. Sie verbinden auch unterschiedliche Werkstoffe (Metall-Kunststoff, Metall-Verbundwerkstoff) und dichten die Fügestelle zugleich ab. Nachteil: Die Festigkeit hängt stark von der Oberflächenvorbehandlung ab und ist nur überschlägig vorhersagbar.

Mittlere Scherspannung der Überlappklebung

Bei der einschnittigen Überlappklebung überträgt die Klebefläche A = l_ü·b (Überlappungslänge mal Klebebreite) die Zug-/Scherkraft F. Vereinfacht - als mittlere Spannung über die gesamte Fläche - ergibt sich:

τ = F / A = F / (l_ü · b)

Diese mittlere Scherspannung wird mit der Scherfestigkeit τ_B des Klebstoffs (Zugscherfestigkeit nach DIN EN 1465, Prüfkörper aus Metall) und einer Sicherheit S verglichen:

τ_zul = τ_B / S

Reale Spannungsverteilung und warum doppelte Überlappung nicht doppelte Kraft bedeutet

Die mittlere Scherspannung ist eine Vereinfachung. Tatsächlich ist die Spannung über die Überlappungslänge nicht konstant: An den beiden Überlappungsenden treten Spannungsspitzen auf (Schäl- und Schubspannungsspitzen, siehe Volkersen-Theorie für die Schubspannungsverteilung und Goland-Reissner für zusätzliche Biegeeffekte bei dünnen, nachgiebigen Fügeteilen), während die Mitte der Überlappung kaum mitträgt. Deshalb steigt die tatsächlich übertragbare Kraft nicht proportional zur Überlappungslänge - eine Verdopplung von l_ü verdoppelt nicht die Tragfähigkeit. Aus diesem Grund wird grundsätzlich mit einer erhöhten Sicherheit S ≥ 2 gegen die (einfache) mittlere Scherspannung gerechnet.

Erforderliche Überlappungslänge und Auslegungsregel l_ü/s

Nach l_ü aufgelöst und mit der geforderten Sicherheit S versehen, folgt die erforderliche Überlappungslänge für eine gegebene Belastung:

l_ü,erf = F · S / (τ_B · b)

Als Faustregel für das Verhältnis von Überlappungslänge zu Fügeteildicke gilt l_ü/s ≈ 10…20. Oberhalb dieses Bereichs bringt eine weitere Verlängerung der Überlappung kaum noch Tragfähigkeitsgewinn, weil die zusätzliche Fläche in der Mitte der Überlappung ohnehin kaum Last überträgt (siehe oben) - stattdessen sollte eher die Klebebreite b, ein festerer Klebstoff oder ein anderes Fügeverfahren (Nietverbindung, Schweißnaht) in Betracht gezogen werden.

Modellgrenzen und Oberflächenvorbehandlung

Dieser Rechner ist ein vereinfachtes Verfahren für die Vordimensionierung nach der mittleren Scherspannung, keine Berechnung der realen (ungleichförmigen) Spannungsverteilung. Schäl- und Spaltbeanspruchung (Zugkräfte quer zur Klebefläche) müssen konstruktiv vermieden werden, da Klebstoffe darauf sehr viel empfindlicher reagieren als auf Scherung. Die tatsächliche Scherfestigkeit τ_B ist stark von der Oberflächenvorbehandlung (Reinigen, Anrauen, Beizen, Primer) sowie von Temperatur, Alterung und vollständiger Aushärtung abhängig - für die Serienauslegung ist stets das Klebstoff-Datenblatt des Herstellers und ein Bauteilversuch heranzuziehen.

Rechenbeispiel

Gegeben: Zwei Bleche werden mit einer einschnittigen Überlappklebung verbunden. Überlappungslänge l_ü = 20 mm, Klebebreite b = 25 mm, Belastung F = 5000 N, Klebstoff 2K-Epoxidharz (τ_B = 20 N/mm²), geforderte Sicherheit S = 2,5.

Klebefläche A = l_ü · b = 20 · 25 = 500 mm². Mittlere Scherspannung τ = F/A = 5000/500 = 10 N/mm². Zulässige Scherspannung τ_zul = τ_B/S = 20/2,5 = 8 N/mm².

Ausnutzung = τ/τ_zul = 10/8 = 1,25 - die Ampel steht auf Rot: Die vorhandene Überlappungslänge reicht für die geforderte Sicherheit nicht aus.

Erforderliche Überlappungslänge: l_ü,erf = F·S/(τ_B·b) = 5000·2,5/(20·25) = 25 mm. Die Überlappung müsste also von 20 mm auf mindestens 25 mm vergrößert werden (oder ein festerer Klebstoff bzw. eine größere Klebebreite b gewählt werden), um die geforderte Sicherheit S = 2,5 zu erreichen.

Der Rechner startet deshalb mit l_ü = 35 mm: Die Klebefläche wächst auf 875 mm², die mittlere Scherspannung sinkt auf 5,71 N/mm² und die Ausnutzung auf 0,71 - die Ampel steht auf Grün, und bei 2 mm dicken Fügeteilen liegt l_ü/s = 17,5 im empfohlenen Bereich 10 bis 20. Mit l_ü = 20 mm statt 35 mm fällt der Nachweis durch, weil die mittlere Scherspannung mit 10 N/mm² über der zulässigen von 8 N/mm² liegt.

Häufige Fragen

Wie stark ist eine Klebeverbindung?

Das hängt stark vom Klebstoff, der Klebefläche und der Oberflächenvorbehandlung ab. Übliche Richtwerte für die Zugscherfestigkeit (DIN EN 1465) an Metall liegen bei etwa 2 N/mm² für Silikon (Dichtstoff, keine tragende Verklebung), 12 bis 18 N/mm² für Polyurethan-, Methacrylat- und Cyanacrylat-Klebstoffe und 20 bis 30 N/mm² für 2K- bzw. warmhärtende 1K-Epoxidharze. Die tatsächlich übertragbare Kraft ergibt sich aus Scherfestigkeit mal Klebefläche, geteilt durch die Sicherheit.

Wie lang muss die Überlappung sein?

Die erforderliche Überlappungslänge folgt aus l_ü,erf = F·S/(τ_B·b): Sie steigt mit der Belastung F und der geforderten Sicherheit S, und sinkt mit Klebstofffestigkeit τ_B und Klebebreite b. Als grobe Auslegungsregel gilt zusätzlich l_ü/s ≈ 10 bis 20 (s = Fügeteildicke) - deutlich kürzere Überlappungen sind meist unterdimensioniert, deutlich längere bringen wegen der ungleichmäßigen Spannungsverteilung kaum noch Zugewinn.

Warum bedeutet doppelte Überlappungslänge nicht doppelte übertragbare Kraft?

Die mittlere Scherspannung τ = F/A unterstellt eine über die gesamte Klebefläche gleichmäßige Spannung. Real ist die Spannungsverteilung über die Überlappungslänge stark ungleichmäßig: An den beiden Enden der Überlappung treten Spannungsspitzen auf (Volkersen-Theorie, verstärkt durch Biegeeffekte bei nachgiebigen dünnen Fügeteilen nach Goland-Reissner), während die Mitte der Überlappung kaum mitträgt. Eine sehr lange Überlappung erhöht daher die Tragfähigkeit deutlich unterproportional - deshalb wird mit erhöhter Sicherheit S ≥ 2 gegen die vereinfachte mittlere Spannung gerechnet und die Faustregel l_ü/s ≈ 10…20 angewendet.

Wie wichtig ist die Oberflächenvorbehandlung?

Entscheidend. Die in Datenblättern angegebene Scherfestigkeit gilt nur für die vom Hersteller vorgeschriebene Vorbehandlung - typischerweise Entfetten/Reinigen, mechanisches Anrauen oder chemisches Beizen sowie gegebenenfalls Primer-Auftrag. Fett, Oxidschichten oder Trennmittel auf der Oberfläche können die real erreichbare Festigkeit auf einen Bruchteil des Datenblattwerts reduzieren, ohne dass dies äußerlich erkennbar wäre (Adhäsionsbruch statt Kohäsionsbruch).

Kleben, Nieten oder Schweißen - was ist besser geeignet?

Kleben eignet sich besonders für flächige Verbindungen, Mischverbindungen (z. B. Metall-Kunststoff), wenn Dichtheit gefordert ist oder Kerbwirkung vermieden werden muss, ist aber empfindlich gegen Schäl- und Spaltbeanspruchung sowie Temperatur und Alterung. Nietverbindungen übertragen Kräfte formschlüssig über Abscherung und Lochleibung und sind weniger temperaturempfindlich, benötigen aber Bohrungen (Kerbwirkung). Schweißnähte erreichen die höchste Verbindungssteifigkeit, führen aber zu Wärmeeinflusszonen und Verzug. Die Wahl richtet sich nach Werkstoffkombination, Belastungsart, Umgebungsbedingungen und Fertigungsaufwand - siehe die Nietverbindungs- und Schweißnaht-Rechner für alternative Nachweise.

Wie wirken sich Temperatur und Alterung auf die Klebefestigkeit aus?

Die Scherfestigkeit τ_B ist temperatur-, alterungs- und aushärtungsabhängig: Viele Klebstoffe verlieren bei erhöhter Temperatur deutlich an Festigkeit (besonders Methacrylate und Cyanacrylate), während warmhärtende Epoxidharze meist auch bei höheren Temperaturen stabiler bleiben. UV-Strahlung, Feuchtigkeit und chemische Medien können die Klebefestigkeit über die Nutzungsdauer weiter reduzieren. Für die endgültige Auslegung ist stets das Herstellerdatenblatt mit den Werten bei Betriebstemperatur und nach Alterung heranzuziehen, nicht nur der Kurzzeit-Prüfwert bei Raumtemperatur.

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