Schraubenberechnung nach VDI 2230
Berechnen Sie Anzugsmoment und zulässige Montagevorspannkraft für metrische Schrauben der Festigkeitsklassen 8.8, 10.9 und 12.9 oder führen Sie den Nachweis einer zentrisch belasteten Schraubenverbindung: Nachgiebigkeiten, Kraftverhältnis, Setzkraftverlust, erforderliche Vorspannkraft, Flächenpressung und Gleitsicherheit mit Ampelbewertung, live mit jeder Eingabe.
Berechnung
Schraube und Montage
Verspannte Teile
Lasten und Anforderungen
Vereinfachtes Verfahren nach der Systematik der VDI 2230 für zentrisch verspannte und belastete Verbindungen: keine exzentrische Belastung mit Aufklaffen, kein Temperatureinfluss, ein Plattenwerkstoff, Richtwerte für Anziehfaktor, Setzbeträge und Grenzflächenpressung. Ergebnisse sind Richtwerte, die Verantwortung liegt beim Anwender.
Ergebnisse
Nachweise
Zwischenwerte
- Schraubennachgiebigkeit δS
- 2,778 · 10⁻⁶ mm/N
- Plattennachgiebigkeit δP
- 0,652 · 10⁻⁶ mm/N
- Kraftverhältnis ΦK
- 0,19
- Wirksames Kraftverhältnis Φn
- 0,095
- Setzbetrag fZ
- 11 µm
- Setzkraftverlust FZ
- 3,21 kN
- Erforderliche Klemmkraft FKerf
- 0 kN
- Mindestmontagevorspannkraft FMmin
- 12,26 kN
- Maximale Montagevorspannkraft FMmax
- 19,61 kN
- Zulässige Montagevorspannkraft FMzul
- 43,11 kN
- Anziehdrehmoment MA (auf FMzul)
- 83,6 Nm
Berechnung im Browser, Eingaben nur beim Export oder Speichern an unseren Server.
Formeln und Grundlagen
Federmodell und Kraftverhältnis
Das mechanische Grundmodell der VDI 2230 ist ein vorgespanntes Federsystem: Die Schraube wirkt als Zugfeder mit der Nachgiebigkeit δS, die verspannten Teile als Druckfeder mit der Nachgiebigkeit δP. Eine axiale Betriebskraft FA teilt sich über das Kraftverhältnis Φ auf:
Nur der kleine Anteil FSA belastet die Schraube zusätzlich, der Rest entlastet die verspannten Platten. Der Krafteinleitungsfaktor n berücksichtigt dabei, wie nah an der Trennfuge die Betriebskraft eingeleitet wird.
Schnellauslegung
Die Schnellauslegung beantwortet die häufigste Frage der Praxis: Welche Montagevorspannkraft und welches Anzugsmoment verträgt eine Schraube? Beim Anziehen wirken Zugspannung und Torsionsspannung aus dem Gewindemoment gleichzeitig. Beide werden über die Gestaltänderungsenergiehypothese zu einer Vergleichsspannung kombiniert, die bei 90 Prozent Ausnutzung der Mindeststreckgrenze liegen darf. Daraus folgt die zulässige Montagevorspannkraft FMzul und mit MA = FMzul·(0,16·P + 0,58·µG·d2 + µK·DKm/2) das Anziehdrehmoment. Diese Formeln reproduzieren die bekannten Tabellenwerte der VDI 2230 (Tabelle A1) auf unter 1 Prozent genau.
Merkregel zur Reibung: Rund 85 bis 90 Prozent des Anziehmoments gehen in Gewinde- und Kopfreibung, nur 10 bis 15 Prozent erzeugen Vorspannkraft. Die Reibungszahl ist damit der dominierende Unsicherheitsfaktor jeder Schraubenmontage. Deshalb rechnet das Tool mit getrennten Reibungszahlen für Gewinde (µG), Kopfauflage (µK) und Trennfuge (µT).
Nachgiebigkeiten und Vorspannkraft
Im Nachweismodus werden die Nachgiebigkeiten explizit berechnet: δS als Reihenschaltung von Kopf, Schaft, freiem belasteten Gewinde, eingeschraubtem Gewinde und Mutter- beziehungsweise Verschraubungsbereich; δP über den Ersatz-Verformungskegel der verspannten Teile mit Fallunterscheidung, ob sich der Druckkegel voll ausbilden kann oder in Kegel und Hülse zerfällt. Aus δS und δP folgen das Kraftverhältnis ΦK = δP/(δS + δP) und die Schraubenzusatzkraft.
Durch plastisches Einebnen der Rauheitsspitzen verliert die Verbindung nach der Montage Vorspannkraft. Der Setzbetrag fZ hängt von der Rautiefe, der Belastungsart und der Anzahl der Kontaktflächen ab und wird über FZ = fZ/(δS + δP) in einen Kraftverlust umgerechnet. Die erforderliche Mindestmontagevorspannkraft ist:
Die Streuung des Anziehverfahrens erfasst der Anziehfaktor αA: FMmax = αA·FMmin muss von der Schraube ertragen werden, der Nachweis lautet:
Weitere Nachweise und Grenzen des Modells
Geführt werden vier weitere Nachweise: der statische Betriebsnachweis über die Vergleichsspannung mit halb abgebauter Montagetorsion, der Dauerfestigkeitsnachweis mit der zulässigen Ausschlagspannung σASV = 0,85·(150/d + 45) für schlussvergütete Schrauben und der geforderten Sicherheit SD ≥ 1,2, die Flächenpressung unter der Kopfauflage gegen die Grenzflächenpressung pG des weichsten verspannten Werkstoffs sowie die Gleitsicherheit bei Querkraftübertragung über Reibschluss.
Bewusste Vereinfachungen gegenüber der vollständigen Richtlinie: Das Tool behandelt zentrisch verspannte und zentrisch belastete Einschraubenverbindungen ohne Aufklaffen. Exzentrische Verspannung, Temperatureinfluss, mehrlagige Platten unterschiedlicher Werkstoffe, Feingewinde und Dehnschrauben sind nicht enthalten. Anziehfaktoren, Setzbeträge und Grenzflächenpressungen sind tabellierte Richtwerte, der Fasendurchmesser der Kopfauflage wird vereinfacht gleich dem Durchgangsloch gesetzt. Für dokumentationspflichtige Nachweise bleibt die Rechnung nach der vollständigen VDI 2230 Blatt 1 maßgebend.
Anzugsmoment berechnen
Das Anzugsmoment MA (auch Anziehdrehmoment) ist das Moment, das am Schlüssel aufgebracht wird, um eine bestimmte Montagevorspannkraft zu erzeugen. Es setzt sich aus drei Anteilen zusammen: dem Steigungsanteil des Gewindes, der Gewindereibung und der Reibung unter der Kopfauflage.
Die Größengleichung der VDI 2230 lautet MA = FM·(0,16·P + 0,58·µG·d2 + µK·DKm/2) mit der Gewindesteigung P, dem Flankendurchmesser d2, dem mittleren Auflagedurchmesser DKm sowie den Reibungszahlen µG im Gewinde und µK am Kopf. Setzt man für FM die zulässige Montagevorspannkraft FMzul ein, ergibt sich das tabellierte Anzugsmoment der Festigkeitsklasse.
Entscheidend ist die Reibung: Nur rund 10 bis 15 Prozent des Moments erzeugen Vorspannkraft, der Rest wird in Gewinde und Kopfauflage in Wärme umgesetzt. Ein Anzugsmoment ohne Angabe der zugehörigen Reibungszahl ist deshalb wenig wert. Der Rechner gibt MA in der Schnellauslegung für M4 bis M36 und die Klassen 8.8, 10.9 und 12.9 aus, jeweils zur eingestellten Reibungszahl.
Vorspannkraft berechnen
Die Vorspannkraft FM ist die Zugkraft in der Schraube nach der Montage und damit die Kraft, die die Trennfuge zusammenhält. Sie ist die eigentliche Zielgröße jeder Schraubenverbindung; das Anzugsmoment ist nur das Mittel, sie indirekt zu erzeugen.
Die zulässige Montagevorspannkraft FMzul folgt aus der Streckgrenze der Schraube. Beim Anziehen wirken Zugspannung aus FM und Torsionsspannung aus dem Gewindemoment gleichzeitig; beide werden über die Gestaltänderungsenergiehypothese zu einer Vergleichsspannung zusammengefasst, die 90 Prozent der Mindeststreckgrenze ausnutzen darf. Der Spannungsquerschnitt ist dabei der kleinere aus Spannungsquerschnitt des Gewindes und Schaftquerschnitt.
Im Nachweismodus wird zusätzlich die erforderliche Vorspannkraft von unten bestimmt: FMmin = FKerf + (1 − Φn)·FAmax + FZ deckt die geforderte Klemmkraft, den Vorspannkraftabfall durch die Betriebskraft und den Setzkraftverlust ab. Mit dem Anziehfaktor αA folgt daraus FMmax = αA·FMmin, und der Nachweis lautet FMzul ≥ FMmax.
Rechenbeispiel
Referenzbeispiel Querkraftverbindung: Eine Konsole überträgt je Schraube eine statische Querkraft von 3 kN über Reibschluss (µT = 0,12, geforderte Gleitsicherheit 1,2). Gewählt ist eine Sechskantschraube M12 als Einschraubverbindung in C45, Klemmlänge 30 mm (davon 20 mm Schaft), Anziehen mit Drehmomentschlüssel (αA = 1,6), µG = µK = 0,12.
Die erforderliche Klemmkraft beträgt FKQerf = 1,2·3000/0,12 = 30 000 N. Mit den Nachgiebigkeiten δS = 2,26·10⁻⁶ mm/N und δP = 0,33·10⁻⁶ mm/N sowie dem Setzbetrag 10 µm (Schub, Rz 16) ergibt sich ein Setzkraftverlust von rund 3 870 N. Daraus folgen FMmin = 33 870 N und FMmax = 1,6·FMmin = 54 190 N.
Eine M12 der Klasse 8.8 reicht nicht aus: Ihre zulässige Montagevorspannkraft von 43,1 kN liegt unter FMmax. Erst die Klasse 10.9 mit FMzul = 63,3 kN besteht den Nachweis, das zugehörige Anzugsmoment beträgt 123 Nm. Der Fall zeigt den typischen Aha-Effekt: Reibschlüssige Querkraftübertragung verbraucht enorme Vorspannkraft und ist eine häufige Ursache für unterdimensionierte Verbindungen.
Häufige Fragen
Wie berechne ich das Anzugsmoment einer Schraube?
Über MA = FM·(0,16·P + 0,58·µG·d2 + µK·DKm/2): Der erste Summand ist der Steigungsanteil des Gewindes, der zweite die Gewindereibung, der dritte die Reibung unter der Kopfauflage. P ist die Gewindesteigung, d2 der Flankendurchmesser, DKm der mittlere Auflagedurchmesser des Kopfes, µG und µK sind die Reibungszahlen. Setzt man für FM die zulässige Montagevorspannkraft ein, entsteht das Anzugsmoment der Tabelle A1 der VDI 2230. Der Rechner führt diese Rechnung für M4 bis M36 live aus.
Was ist der Unterschied zwischen Anzugsmoment und Vorspannkraft?
Die Vorspannkraft ist das Ziel, das Anzugsmoment nur der Weg dorthin. Gebraucht wird die Zugkraft in der Schraube, die die Trennfuge zusammenpresst (Vorspannkraft FM in kN). Messen lässt sie sich bei der Montage aber nicht, deshalb wird stattdessen ein Drehmoment aufgebracht (Anzugsmoment MA in Nm). Der Zusammenhang läuft über die Reibung: Rund 85 bis 90 Prozent des Moments gehen in Gewinde- und Kopfreibung. Eine um 30 Prozent falsch angenommene Reibungszahl verschiebt die tatsächlich erreichte Vorspannkraft deshalb um etwa denselben Betrag, obwohl das Drehmoment stimmt.
Welches Anzugsmoment braucht eine M10 der Klasse 8.8?
Bei der üblichen Reibungszahl µ = 0,12 ergeben sich rund 48 Nm Anzugsmoment und 29,6 kN zulässige Montagevorspannkraft (90 Prozent Streckgrenzenausnutzung). Bei µ = 0,14 steigt das Moment auf etwa 54 Nm, die erreichbare Vorspannkraft sinkt jedoch. Das Tool rechnet diese Werte für M4 bis M36 und die Klassen 8.8, 10.9 und 12.9 live nach der Formel der VDI-Tabellenwerte.
Was bedeutet der Anziehfaktor αA?
αA = FMmax/FMmin beschreibt die Streuung der erreichten Vorspannkraft durch das Montageverfahren. Ein Drehmomentschlüssel mit geschätzter Reibungszahl streut mit αA ≈ 1,6 bis 2,0, ein Schlagschrauber ohne Kontrolle bis 4,0, längungsgesteuertes Anziehen nur 1,1 bis 1,2. Je größer αA, desto größer muss die Schraube dimensioniert werden, um die geforderte Mindestklemmkraft sicher zu erreichen.
Warum ist die Reibungszahl so entscheidend?
Rund 85 bis 90 Prozent des Anziehmoments werden in Gewinde- und Kopfreibung umgesetzt, nur der Rest erzeugt Vorspannkraft. Eine Fehleinschätzung der Reibungszahl wirkt sich daher fast eins zu eins auf die erreichte Vorspannkraft aus. Oberflächen- und Schmierzustand sollten deshalb bekannt sein, zum Beispiel über die Reibungszahlklassen (Klasse B mit µ = 0,08 bis 0,16 ist der häufigste Fall).
Was ist der Unterschied zwischen Durchsteck- und Einschraubverbindung?
Bei der Durchsteckverbindung (DSV) wird die Schraube mit einer Mutter verspannt, der Druckkegel kann sich von beiden Seiten ausbilden. Bei der Einschraubverbindung (ESV) sitzt das Innengewinde direkt im Bauteil, der Kegel bildet sich nur von der Kopfseite aus. Das ändert die Plattennachgiebigkeit, die Zahl der setzenden Auflagen und die Formel für den Kegelwinkel, weshalb das Tool beide Fälle getrennt behandelt.
Warum verliert eine Schraubenverbindung nach der Montage Vorspannkraft?
Durch Setzen: Die Rauheitsspitzen in Gewinde, Kopfauflage und Trennfugen ebnen sich plastisch ein. Je nach Rautiefe und Belastungsart gehen dabei wenige Mikrometer verloren, die über die Nachgiebigkeiten direkt Vorspannkraft kosten (FZ = fZ/(δS + δP)). Kurze Klemmlängen sind besonders empfindlich, weil derselbe Setzbetrag auf eine steifere Verbindung trifft.
Ersetzt das Tool den vollständigen Nachweis nach VDI 2230?
Nein. Das Tool folgt der Systematik der Richtlinie für zentrisch verspannte und belastete Verbindungen und nutzt validierte Formeln und tabellierte Richtwerte. Exzentrische Verspannung mit Aufklaffen, Temperatureinfluss, mehrlagige Platten verschiedener Werkstoffe und die exakten Krafteinleitungsfaktoren der Richtlinie sind bewusst nicht enthalten. Für dokumentationspflichtige Nachweise ist die Rechnung nach VDI 2230 Blatt 1 maßgebend, die Verantwortung liegt beim Anwender.
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