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Wärmedehnung berechnen

Berechnen Sie, wie viel länger ein Bauteil bei Erwärmung wird und wie viel kürzer bei Abkühlung. Der Ausdehnungskoeffizient kommt aus einer gepflegten Werkstofftabelle oder aus der freien Eingabe - der Rechner zeigt die Längenänderung, die neue Länge sowie die Flächen- und Volumenänderung, live mit jeder Eingabe.

Wärmedehnung

Das Bauteil dehnt sich ungehindert. Es entsteht keine Spannung, und es gibt keinen Grenzwert, gegen den zu prüfen wäre - dieser Rechner bewertet deshalb nichts. Behinderte Dehnung rechnet der Zug/Druck-Stab.
Bauteil
Temperatur

Gerechnet wird mit linearer Wärmedehnung und einem über den Temperaturbereich konstanten α. Das Bauteil dehnt sich ungehindert und ist über den Querschnitt gleich warm; Eigenspannungen, Kriechen und Phasenumwandlungen bleiben außer Betracht.

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Formeln und Grundlagen

Längenänderung

Ein Bauteil, das sich ungehindert ausdehnen kann, wird bei einer Temperaturänderung ΔT = T₁ − T₀ um den folgenden Betrag länger:

ΔL = α · L · ΔT

α ist der lineare Wärmeausdehnungskoeffizient in 1/K, meist angegeben in 10⁻⁶/K. Bei Abkühlung ist ΔT negativ und das Bauteil wird kürzer. Es entsteht dabei keine Spannung: Der Stab bewegt sich einfach. Erst wenn die Dehnung behindert wird, entsteht die Wärmespannung σ_th = −E·α·ΔT, und dafür ist der Zug/Druck-Stab der richtige Rechner.

Fläche und Volumen

Wächst jede Kante um den Faktor (1 + α·ΔT), so wächst die Fläche mit seinem Quadrat und das Volumen mit seiner dritten Potenz:

ΔA/A = (1 + α·ΔT)² − 1 ΔV/V = (1 + α·ΔT)³ − 1

Der Rechner benutzt diese exakte Form. Die verbreiteten Näherungen 2·α·ΔT und 3·α·ΔT sind davon die ersten Glieder; sie liegen für Stahl bei 100 K um 0,6 ‰ der Flächenänderung daneben, für Aluminium bei 300 K um 7,0 ‰ der Volumenänderung. Der Unterschied ist klein, aber es kostet nichts, richtig zu rechnen.

Der Ausdehnungskoeffizient

α ist keine Konstante, sondern steigt mit der Temperatur. Die tabellierten Werte sind deshalb Mittelwerte über eine Temperaturspanne, und die Quellen beziehen sie verschieden: meist auf 0 oder 20 bis 100 °C, bei einzelnen Werkstoffen auf eine weiter reichende Spanne. Für unlegierten Stahl sind es 12·10⁻⁶/K, für Aluminium 23,5·10⁻⁶/K, für Kunststoffe ein Vielfaches davon. Der Rechner meldet es, sobald eine der beiden Temperaturen außerhalb von −50 bis 200 °C liegt, bei Kunststoffen bereits ab 100 °C. Die Rechnung bleibt dann richtig, nur ihre Eingangsgröße wird unsicher - für einen anderen Bereich gehört ein passender Mittelwert in die freie Eingabe.

Rechenbeispiel

Voreinstellung des Rechners: ein Stahlträger aus S235JR mit L = 1000 mm wird von 20 auf 120 °C erwärmt. Mit α = 12·10⁻⁶/K und ΔT = 100 K ergibt sich ΔL = 12·10⁻⁶ · 1000 · 100 = 1,2 mm, die neue Länge beträgt 1001,2 mm. Die Fläche wächst um (1,0012)² − 1 = 0,2401 %, das Volumen um (1,0012)³ − 1 = 0,3604 %.

Derselbe Träger aus Aluminium AW-6060 dehnt sich mit α = 23,5·10⁻⁶/K fast doppelt so weit: ΔL = 23,5·10⁻⁶ · 1000 · 100 = 2,35 mm. Wird der Stahlträger dagegen von 20 auf −30 °C abgekühlt, ist ΔT = −50 K und damit ΔL = −0,6 mm; er ist dann 999,4 mm lang.

Die 1,2 mm sind nur so lange harmlos, wie der Träger sich bewegen kann. Wird er an beiden Enden festgehalten, entsteht stattdessen die Wärmespannung σ_th = −E·α·ΔT = −210000 · 12·10⁻⁶ · 100 = −252 N/mm² - mehr als die Streckgrenze von S235. Diesen Fall rechnet der Zug/Druck-Stab, nicht dieser Rechner.

Häufige Fragen

Warum entsteht bei freier Wärmedehnung keine Spannung?

Weil sich nichts der Verformung entgegenstellt. Der Stab wird länger, mehr passiert nicht - es gibt keine Kraft und damit auch keinen Nachweis zu führen. Eine Spannung entsteht erst, wenn die Dehnung ganz oder teilweise behindert wird, etwa zwischen zwei festen Lagern oder in einem Bauteilverbund aus zwei Werkstoffen. Dafür ist der Zug/Druck-Stab der richtige Rechner; er führt σ_th = −E·α·ΔT und den Sicherheitsnachweis gegen die Streckgrenze.

Warum bewertet dieser Rechner nichts?

Weil es hier nichts zu bewerten gibt. Eine Ampel behauptet, ein Wert sei gegen einen Grenzwert geprüft worden - bei einer frei möglichen Dehnung gibt es keinen. Eine Längenänderung ist weder in Ordnung noch grenzwertig, sie ist einfach die Länge, die sich einstellt. Ob sie zulässig ist, entscheidet die Konstruktion drumherum: ein Festlager mit Loslager, ein Dehnungsausgleich, ein Spiel in der Führung. Sobald die Dehnung behindert wird, gibt es wieder einen Grenzwert, und dann ist der Zug/Druck-Stab der richtige Rechner.

Wie finde ich heraus, ob eine Passung bei Temperatur klemmt?

Rechnen Sie beide Teile nacheinander, jedes mit seinem Werkstoff und seinem Nennmaß. Die Differenz der beiden Längenänderungen ist die Änderung des Spiels. Maßgeblich ist dabei das Produkt α·L je Teil und nicht der Koeffizient allein: Eine POM-C-Welle mit 79,95 mm dehnt sich von 20 auf 80 °C um 0,528 mm, die Stahlbohrung mit 80,00 mm nur um 0,058 mm - von 50 µm Ausgangsspiel bleibt nichts übrig, die Paarung klemmt. Bei gleichen Werkstoffen und gleicher Größe wächst dagegen alles proportional mit und das Spiel bleibt praktisch unverändert.

Warum rechnet der Rechner die Fläche exakt und nicht mit 2·α·ΔT?

Weil die exakte Form nicht aufwendiger ist. (1 + α·ΔT)² − 1 ergibt ausmultipliziert 2·α·ΔT + (α·ΔT)²; die geläufige Näherung lässt einfach das quadratische Glied weg. Bei Stahl und 100 K ist das ein Unterschied von 0,6 ‰ der Flächenänderung, bei Aluminium und 300 K von 3,5 ‰; beim Volumen ist es jeweils rund das Doppelte, dort also 7,0 ‰. Ohne Bedeutung für die Konstruktion, aber es gibt keinen Grund, ungenauer zu rechnen als nötig.

Gilt der Ausdehnungskoeffizient über den ganzen Temperaturbereich?

Nein. Die tabellierten Werte sind Mittelwerte über eine Temperaturspanne, meist 0 oder 20 bis 100 °C, bei einzelnen Werkstoffen eine weiter reichende - für S235JR rechnet dieser Rechner mit 12·10⁻⁶/K. Über einen weiten Bereich steigt dieser Mittelwert deutlich: Bei unlegiertem Stahl liegt er über 0 bis 600 °C bei rund 14·10⁻⁶/K, also etwa ein Sechstel höher. Der Rechner warnt deshalb, sobald eine Temperatur außerhalb von −50 bis 200 °C liegt, bei Kunststoffen bereits ab 100 °C. Die Rechnung bleibt dann richtig, nur ihre Eingangsgröße wird unsicher - für höhere Temperaturen gehört ein Koeffizient aus dem passenden Bereich in die freie Eingabe.

Ist das der richtige Rechner für einen Pressverband?

Nein. Dieser Rechner sagt, um wie viel ein einzelnes Bauteil länger wird. Beim Pressverband entstehen Fugendruck, Vergleichsspannung und übertragbares Moment, und dafür gibt es den Pressverband-Rechner nach DIN 7190. Die Temperatur, mit der eine Nabe zum Fügen aufgeweitet oder eine Welle unterkühlt werden muss, liefert der Rechner für die Fügetemperatur; er rechnet dort mit eigenen Koeffizienten für Erwärmen und Unterkühlen.

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