Wellenberechnung nach DIN 743
Tragfähigkeitsnachweis für Wellen und Achsen aus Stahl direkt im Browser: Kerbwirkung, Gestaltfestigkeit und Sicherheiten gegen Dauerbruch und bleibende Verformung, mit allen Zwischenwerten nachvollziehbar, live mit jeder Eingabe.
Berechnung
Richtwerte für KV nachschlagen
| Verfahren | d = 8 bis 25 mm | d = 25 bis 40 mm |
|---|---|---|
| Nitrieren | 1,15 – 1,25 | 1,10 – 1,15 |
| Einsatzhärten | 1,20 – 2,10 | 1,10 – 1,50 |
| Carbonitrieren | 1,10 – 1,90 | 1,00 – 1,40 |
| Rollen | 1,20 – 1,40 | 1,10 – 1,25 |
| Kugelstrahlen | 1,10 – 1,30 | 1,10 – 1,20 |
| Induktiv- oder Flammhärten | 1,20 – 1,60 | 1,10 – 1,40 |
Auszug DIN 743-2. Ohne eigenen Versuchswert den kleineren Wert der Spanne nehmen. Zwischen d = 25 und 40 mm nimmt die Wirkung linear ab, über 40 mm geht KV gegen 1,0. Bei unverfestigter Oberfläche gilt KV = 1,0.
Maximalwert = |Mittelwert| + Amplitude. Für den Dauerbruch zählt allein die Amplitude: Wer eine Wechsellast versehentlich als Mittelwert einträgt, bekommt eine unendliche Sicherheit ohne jede Warnung.
Aufteilen nach dem, was sich an der Bauteilstelle wirklich ändert. Drehende Welle: Biegung ganz in die Amplitude, Mittelwert 0. Stillstehende Welle mit fester Last: umgekehrt. Torsion in einer Drehrichtung: Dauermoment in den Mittelwert, nur die Schwankung in die Amplitude; im Reversierbetrieb alles in die Amplitude. Einen Anwendungsfaktor KA für Stöße vorab einrechnen - bei Biegung auf die Amplitude, bei ruhender Torsion als Amplitude (KA − 1)·Mt.
Modell: DIN 743 für Wellen und Achsen aus Stahl, nicht geschweißt, −40 bis +150 °C, korrosionsfreie Umgebung. Gerechnet wird ein Querschnitt unter Zug/Druck, Biegung und Torsion, phasengleich angenommen, gegen die Dauerfestigkeit bei 10⁷ Lastwechseln. Querkraftschub, Knicken, Eigenspannungen und Zeitfestigkeit sind nicht erfasst; eine Druck-Mittelspannung wird ohne den Sonderfall der Norm gerechnet und liegt damit auf der sicheren Seite.
Ergebnisse
Zwischenwerte
- K1 (σB)
- 0,871
- K1 (σS)
- 0,797
- σB(d) [N/mm²]
- 958,5
- σS(d) [N/mm²]
- 717,4
- σmv [N/mm²]
- 110,3
- τmv [N/mm²]
- 63,7
- Querschnitt A [mm²]
- 1.257
- Widerstandsmoment Wb [mm³]
- 6.283
- Widerstandsmoment Wt [mm³]
- 12.566
| Größe | Zug/Druck | Biegung | Torsion |
|---|---|---|---|
| σm bzw. τm in N/mm² | 0 | 0 | 63,7 |
| σa bzw. τa in N/mm² | 0 | 79,6 | 15,9 |
| σmax bzw. τmax in N/mm² | 0 | 79,6 | 79,6 |
| Formzahl α | 1,968 | 1,801 | 1,405 |
| Spannungsgefälle G′ in 1/mm | 0,874 | 0,874 | 0,383 |
| Stützzahl n | 1,043 | 1,043 | 1,028 |
| Kerbwirkungszahl β | 1,887 | 1,727 | 1,366 |
| Größenfaktor K2 | 1 | 0,888 | 0,888 |
| Rauheitsfaktor KF | 0,895 | 0,895 | 0,94 |
| Gesamteinfluss K | 2,004 | 2,061 | 1,602 |
| Wechselfestigkeit WK in N/mm² | 191,3 | 232,5 | 179,5 |
| Mittelspannungsempfindlichkeit ψ | 0,111 | 0,138 | 0,103 |
| Statische Stützwirkung K2F | 1 | 1,2 | 1,2 |
| Erhöhungsfaktor γF | 1,05 | 1,05 | 1 |
| Fließgrenze FK in N/mm² | 753,3 | 903,9 | 497 |
| Gestaltfestigkeit ADK in N/mm² | 191,3 | 195,2 | 99,4 * |
* durch die Fließgrenze begrenzt (Knick im Haigh-Diagramm)
Skizze: Kerbfall
Dauerfestigkeitsschaubild
Maßgebende Richtung mit der größten Amplituden-Auslastung. Der Abstand des Arbeitspunkts zur Grenzlinie entspricht der Reserve gegen Dauerbruch; bei Beanspruchungsfall 2 wird entlang des Ursprungsstrahls ausgewertet.
Nachweis-PDF mit Eingaben, Rechenweg, Ergebnissen und den zugrunde gelegten Modellannahmen und Grenzen.
Berechnung, Diagramme und Bewertung dieses Rechners sind kostenlos, ohne Konto und ohne Registrierung. Bezahlt wird allein der Export.
Berechnung im Browser, Eingaben nur beim Export oder Speichern an unseren Server.
Formeln und Grundlagen
Nachweiskonzept nach DIN 743
DIN 743 verlangt für jeden kritischen Querschnitt einer Welle oder Achse zwei getrennte Nachweise: die Sicherheit gegen Dauerbruch S_D aus den Spannungsamplituden und der Gestaltfestigkeit des gekerbten Bauteils sowie die Sicherheit gegen bleibende Verformung S_F aus den Maximalspannungen und der Bauteilfließgrenze. Die Mindestsicherheit der Norm beträgt S_min = 1,2; sie deckt nur Verfahrensunsicherheiten ab, in der Praxis werden je nach Lastkenntnis und Schadensfolgen 1,5 bis 2,0 vereinbart.
Nennspannungen im Kerbquerschnitt
Ausgangspunkt sind die Nennspannungen im Kerbquerschnitt, gerechnet stets mit dem Kerbgrunddurchmesser d:
Jeweils getrennt nach Mittelwert und Amplitude. Bei der Querbohrung gelten Netto-Widerstandsmomente; bei Passfedernut und Pressverband der volle Kreisquerschnitt, weil die Schwächung vollständig in der Kerbwirkungszahl steckt. Beim kerbfreien Querschnitt der glatten Welle gibt es ohnehin nichts abzuziehen.
Kerbwirkungszahl und Bauteilwechselfestigkeit
Die Kerbwirkungszahl β entsteht bei Absatz, Umlaufnut und Querbohrung aus der Formzahl α und der Stützzahl n, die über das bezogene Spannungsgefälle G′ die Mikrostützwirkung des Werkstoffs erfasst:
Für Passfedernut und Pressverband gibt die Norm stattdessen experimentell ermittelte β-Werte an, die nur von der Zugfestigkeit am Bauteil abhängen und mit dem geometrischen Größenfaktor K3 vom Probendurchmesser 40 mm auf den Bauteildurchmesser umgerechnet werden: β_σ ≈ 3,0·(σ_B(d)/1000)^0,38 für die Passfedernut und β_σ ≈ 2,7·(σ_B(d)/1000)^0,43 für den Pressverband. Der kerbfreie Querschnitt der glatten Welle trägt definitionsgemäß β = 1. Zusammen mit dem Größenfaktor K2, dem Rauheitsfaktor K_F (Eingabe als Rz, nicht Ra!) und dem Verfestigungsfaktor K_V ergibt sich der Gesamteinflussfaktor K und daraus die Bauteilwechselfestigkeit:
Größenfaktor K1 und rechnerische Sicherheiten
Der technologische Größenfaktor K1 rechnet die Werkstoffkennwerte vom Bezugsdurchmesser 16 mm auf den wirksamen Durchmesser d_eff um - mit unterschiedlichen Faktoren für Zugfestigkeit und Streckgrenze, eine häufige Fehlerquelle. Über die Vergleichsmittelspannung σ_mv und die Mittelspannungsempfindlichkeit ψ folgt die ertragbare Amplitude σ_ADK, wahlweise für Beanspruchungsfall 1 (Mittelspannung konstant) oder Fall 2 (σ_m/σ_a konstant, meist konservativer). Bei hoher Mittelspannung begrenzt die Fließgrenze die Amplitude - der Rechner erkennt diesen Knick im Haigh-Diagramm automatisch und kennzeichnet die betroffene Richtung. Die Sicherheiten folgen aus:
und analog S_F mit den Maximalspannungen und Bauteilfließgrenzen.
Dauerfestigkeitsschaubild und Bewertung
Der Rechner zeichnet ein Haigh-Diagramm, und zwar für die maßgebende Belastungsrichtung - die mit der größten Amplituden-Auslastung: über der Vergleichsmittelspannung σ_mv steht die ertragbare Amplitude. Die Grenzlinie ist ADK(σ_m) = min(σ_WK − ψ·σ_m, FK − σ_m) - der fallende Ast der Dauerfestigkeit und, ab dem Knick, die Begrenzung durch die Bauteilfließgrenze. Eingetragen sind der Arbeitspunkt aus den Eingaben und der ertragbare Punkt auf der Grenzlinie; ihr Abstand zeigt die Reserve dieser einen Richtung. Tragen mehrere Lastarten gleichzeitig Amplitude, liegt die ausgewiesene Sicherheit S_D darunter, weil sie die Richtungen zusammenfasst - das Diagramm zeigt dann die maßgebende, nicht das Gesamtergebnis. Wo der ertragbare Punkt liegt, hängt vom Beanspruchungsfall ab: bei Fall 1 senkrecht über dem Arbeitspunkt, bei Fall 2 auf dem Ursprungsstrahl durch ihn.
Bewertet wird gegen die eingestellte Mindestsicherheit S_min. Liegt S_D oder S_F darunter, ist der Nachweis nicht geführt und die Anzeige steht auf Rot - auch dann, wenn die Sicherheit noch über 1,0 liegt und rechnerisch weder Bruch noch Fließen eintritt. Gelb steht nur für den Bereich knapp oberhalb von S_min, also erfüllt ohne nennenswerte Reserve.
Rechenbeispiel
Referenzbeispiel (Uni Bayreuth, ZN743): Wellenabsatz mit D = 50 mm, d = 40 mm, r = 3 mm aus 36CrNiMo4 vergütet (σ_B = 1100 N/mm², σ_S = 900 N/mm² bei 16 mm), Rz = 5 µm, d_eff = 50 mm. Belastung als Nennspannungen: Zug/Druck 200 ± 50, Biegung 300 ± 60, Torsion 100 ± 40 N/mm², Beanspruchungsfall 1.
Der Rechenweg liefert die Formzahlen α = 1,97 / 1,80 / 1,40 (Zug, Biegung, Torsion), Stützzahlen um 1,03 und damit Kerbwirkungszahlen β = 1,89 / 1,73 / 1,37. Mit K1(σ_B) = 0,87, K2 = 0,89 und K_F ≈ 0,90 ergeben sich Bauteilwechselfestigkeiten von rund 191 / 232 / 179 N/mm² und Gestaltfestigkeiten von 133 / 159 / 148 N/mm² bei einer Vergleichsmittelspannung von 529 N/mm².
Ergebnis: S_D = 1,25 und S_F = 1,28 - beide über der Mindestsicherheit 1,2, der Nachweis ist erfüllt. Die Quelle rechnet mit der vereinfachenden Konvention K1(σ_B) auch für die Streckgrenze und erhält S_F = 1,40; dieser Rechner verwendet die normgerechten, getrennten K1-Faktoren und liegt damit auf der sicheren Seite.
Häufige Fragen
Welche Mindestsicherheit fordert DIN 743?
Die Norm nennt S_min = 1,2 für beide Nachweise. Dieser Wert deckt nur die Unsicherheiten des Rechenverfahrens ab. In der Praxis werden je nach Kenntnis der Lasten und den Folgen eines Ausfalls höhere Werte von 1,5 bis 2,0 vereinbart - im Rechner ist die Mindestsicherheit deshalb einstellbar.
Warum sind zwei Nachweise nötig - Dauerbruch und Fließen?
Beide Nachweise sind Pflicht und prüfen unterschiedliche Versagensarten: Der dynamische Nachweis vergleicht die Spannungsamplituden mit der Gestaltfestigkeit (Ermüdungsbruch nach vielen Lastwechseln), der statische die Maximalspannungen mit der Bauteilfließgrenze (bleibende Verformung bei der höchsten Last). Bei hohen Mittellasten ist oft der statische Nachweis maßgebend.
Welchen Kerbfall muss ich wählen?
Den, der am nachzuweisenden Querschnitt tatsächlich sitzt - gerechnet wird immer eine Stelle der Welle, nie die ganze Welle. Wellenabsatz: Durchmessersprung mit Hohlkehle, d ist der kleine Durchmesser, D der große, r der Ausrundungsradius. Umlaufnut: Einstich oder Rundnut in einem sonst durchgehenden Durchmesser, D ist der Außendurchmesser, d der Nutgrund, r der Nutgrundradius. Bei gleicher Geometrie ist die Nut die schärfere Kerbe als der Absatz, weil der Kerbgrund von beiden Seiten eingeschnürt wird. Querbohrung: Schmier- oder Stiftbohrung quer durch die Welle, r ist der Bohrungsradius, und die Nennspannungen entstehen aus den Netto-Widerstandsmomenten. Passfedernut: Nabensitz mit Nut, ohne Radiuseingabe. Pressverband: Nabensitz ohne Passfeder, ebenfalls nur mit dem Sitzdurchmesser. Glatte Welle: kerbfreier Abschnitt, etwa das freie Wellenende oder das Feld zwischen zwei Kerben. Treffen mehrere Kerben aufeinander, rechnen Sie jeden Querschnitt einzeln und nehmen den ungünstigsten; überlagerte Kerben deckt DIN 743 nicht ab.
Was bedeutet Beanspruchungsfall 1 und Fall 2?
Die Fälle beschreiben, wie sich die Mittelspannung bei einer Laststeigerung verhält. Fall 1: Die Mittelspannung bleibt konstant, nur die Amplitude wächst. Fall 2: Das Verhältnis von Mittelspannung zu Amplitude bleibt konstant, beide wachsen gemeinsam. Fall 2 ist meist kritischer und daher im Zweifel die konservative Wahl - der Rechner startet deshalb mit Fall 2.
Warum werden die Werkstoffkennwerte mit K1 umgerechnet?
Die Kennwerte aus Werkstofftabellen gelten für den Bezugsdurchmesser 16 mm. Größere Querschnitte lassen sich beim Vergüten schlechter durchhärten, die Festigkeit sinkt. Der technologische Größenfaktor K1 erfasst das über den wirksamen Durchmesser d_eff - mit unterschiedlichen Faktoren für Zugfestigkeit und Streckgrenze. K1 zu vergessen ist der häufigste Praxisfehler bei DIN-743-Rechnungen.
Wann darf ich „Festigkeit am Bauteil gemessen“ setzen?
Nur wenn die Kennwerte am fertigen Bauteil im Endzustand ermittelt sind - etwa über eine Härteprüfung am vergüteten Teil mit Umwertung auf die Zugfestigkeit oder über einen Zugversuch an einer daraus entnommenen Probe. Und dann gehören zwei Dinge zusammen: Tragen Sie Ihren Messwert in die Felder σB und σS ein, und setzen Sie den Haken. Der Haken allein sagt nur, dass nicht ein zweites Mal vom Bezugsdurchmesser heruntergerechnet wird (K1 = 1) - stehen daneben weiter die Tabellenwerte für 16 mm, behaupten Sie damit, Ihr Bauteil sei so fest wie eine 16-mm-Probe. Das liegt auf der unsicheren Seite, denn bei einer großen Welle misst man in aller Regel weniger. Nicht ausreichend sind ein Abnahmeprüfzeugnis über den Werkstoff, ein am Rohteil gemessener Wert oder eine Härteangabe aus dem Datenblatt: Sie sagen nichts über die Durchhärtung Ihres Querschnitts. Die Option fällt ins Gewicht - bei einem Vergütungsstahl mit d_eff = 50 mm stehen K1 = 0,87 für die Zugfestigkeit und 0,80 für die Streckgrenze dagegen -, deshalb steht die Angabe samt Begründung im Nachweis-PDF.
Mein Stahl steht nicht in der Auswahl - was dann?
Tragen Sie seine Kennwerte einfach ein. Die Felder σB und σS stehen immer unter der Auswahl und zeigen zunächst die Werte der gewählten Tabellenzeile; sobald Sie einen davon ändern, springt die Auswahl auf „Frei (eigene Werte)“ und der Rechner nimmt Ihre Zahlen. Wählen Sie dann auch die Werkstoffgruppe passend, denn sie entscheidet, wie stark K1 die Kennwerte mit dem wirksamen Durchmesser mindert - Einsatz- und Nitrierstähle sind nur auf diesem Weg erreichbar. Die drei Wechselfestigkeiten müssen Sie nicht eingeben: Der Rechner leitet sie nach DIN 743-3 aus der Zugfestigkeit ab (σzdW = 0,4·σB, σbW = 0,5·σB, τtW = 0,3·σB) - dieselben Verhältnisse, die auch jede Zeile der Tabelle einhält. Achten Sie darauf, ob Ihr Datenblattwert für den Bezugsdurchmesser 16 mm gilt (dann Haken aus, K1 rechnet um) oder am Bauteil gemessen ist (dann Haken an).
Muss ich Rz oder Ra eingeben?
Der Rauheitsfaktor K_F verlangt die gemittelte Rautiefe Rz in µm, nicht den Mittenrauwert Ra. Eine Ra-Eingabe ergäbe deutlich zu günstige Ergebnisse. Typische Werte: poliert 1, geschliffen 4, feingedreht 10, gedreht 25, Walzhaut 200 µm. Bei Passfedernut und Pressverband setzt der Rechner K_F = 1, weil die Referenzrauheit bereits in der experimentellen Kerbwirkungszahl enthalten ist.
Warum braucht die Passfedernut keinen Kerbradius?
Für Passfedernuten gibt es keine geschlossene Formzahl-Formel. DIN 743 verwendet stattdessen experimentell ermittelte Kerbwirkungszahlen, die nur von der Zugfestigkeit am Bauteil abhängen und mit dem Größenfaktor K3 vom Probendurchmesser 40 mm auf den Bauteildurchmesser umgerechnet werden. Die Nennspannungen werden dabei mit dem vollen Kreisquerschnitt gebildet. Bei zwei Nuten am selben Querschnitt erhöht sich die Kerbwirkungszahl um den Faktor 1,15.
Wie rechne ich einen Pressverband nach?
Wählen Sie den Kerbfall Pressverband und geben Sie nur den Sitzdurchmesser ein. Auch hier gibt es keine Formzahl: Die Kerbwirkung entsteht nicht an einer Geometrie der Welle, sondern am Ende des Nabensitzes, wo der Kraftfluss in die Nabe einläuft, und sie enthält bereits die Reibbeanspruchung im Einlaufbereich. DIN 743 gibt dafür einen Versuchswert an, der nur von der Zugfestigkeit am Bauteil abhängt: β_σ ≈ 2,7·(σ_B(d)/1000 N/mm²)^0,43 und β_τ ≈ 0,65·β_σ, bezogen auf den Probendurchmesser 40 mm und umgerechnet über K3. Der Wert liegt unter dem der Passfedernut - ein Nabensitz ohne Nut ist die mildere Kerbe. Zwei Grenzen: Er gilt für die glatte, nicht abgesetzte Welle, und die Tafel der Norm reicht von 400 bis 1200 N/mm². Sitzt die Nabe unmittelbar an einem Wellenabsatz, weisen Sie stattdessen den Absatz nach - der Presssitz ändert dessen Kerbwirkung nur wenig.
Wozu der Kerbfall glatte Welle?
Für den Querschnitt, an dem gar keine Kerbe sitzt und der trotzdem der kritische sein kann - das freie Wellenende, das Feld zwischen zwei Kerben, oder die Stelle mit dem größten Biegemoment bei kleinem Durchmesser. Die Kerbwirkungszahl ist dort definitionsgemäß 1, denn β ist als Verhältnis der Wechselfestigkeit der ungekerbten Probe zu der des Bauteils erklärt. Größe und Rauheit wirken unverändert weiter, sie stehen getrennt daneben in K2 und K_F; eine Formzahl und eine Stützzahl gibt es nicht. Ohne diesen Fall müsste man sich eine Kerbe ausdenken, um den glatten Querschnitt überhaupt rechnen zu können.
Wie werden Biegung und Torsion gemeinsam bewertet?
Nicht getrennt, sondern in einer Zusammenfassung je Nachweis. Die Normalspannungen aus Zug/Druck und Biegung werden addiert, weil sie in derselben Richtung wirken; die Schubspannung aus Torsion kommt quadratisch hinzu: S_D = 1/√((σ_zda/σ_zdADK + σ_ba/σ_bADK)² + (τ_ta/τ_tADK)²), und S_F entsprechend mit den Maximalspannungen und den Bauteilfließgrenzen. Jede Richtung wird also zuerst auf ihre eigene ertragbare Größe bezogen, erst diese Auslastungen werden verrechnet. Zwei Folgen: Die Gesamtsicherheit liegt immer unter der jeder einzelnen Richtung, und das Haigh-Diagramm zeigt nur die maßgebende Richtung, nicht das Gesamtergebnis. Die Mittelspannungen fasst der Rechner vorher über die Gestaltänderungsenergie-Hypothese zur Vergleichsmittelspannung σ_mv = √(σ_m² + 3·τ_m²) zusammen; dabei wird phasengleiche Beanspruchung angenommen.
Was bedeuten die Farben der Sicherheiten?
Rot heißt: Der Nachweis ist nicht geführt, S_D oder S_F liegt unter der eingestellten Mindestsicherheit S_min. Das gilt auch dann, wenn die Sicherheit noch über 1,0 liegt und rechnerisch weder Dauerbruch noch Fließen eintritt - der Wortlaut daneben unterscheidet beide Fälle („unter S_min“ gegenüber „nicht in Ordnung“). Gelb steht nur knapp oberhalb von S_min, also erfüllt ohne nennenswerte Reserve. Grün heißt erfüllt mit Reserve. Die Farbe folgt damit dem Nachweis und nicht dem Abstand zum Bruch.
Für welche Bauteile gilt der Nachweis?
DIN 743 gilt für Wellen und Achsen aus Stahl, nicht geschweißt, bei −40 bis +150 °C in korrosionsfreier Umgebung, unter Zug/Druck, Biegung und Torsion (phasengleich angenommen). Die Dauerfestigkeit bezieht sich auf die Grenzlastspielzahl 10⁷. Querkraftschub, Knicken und Eigenspannungen erfasst das Verfahren nicht explizit.
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