Stirnrad-Geometrie mit Profilverschiebung
Berechnen Sie die vollständige Geometrie eines außenverzahnten Stirnradpaares: Zähnezahlen, Normalmodul und Schrägungswinkel liefern zusammen mit den Profilverschiebungsfaktoren oder einem Soll-Achsabstand den Betriebseingriffswinkel, den Achsabstand, alle vier Durchmesserpaare, die Kopfhöhenänderung mit Kopfspiel und die Überdeckungsgrade, live mit jeder Eingabe.
Berechnung
Gerechnet wird ein außenverzahntes Stirnradpaar mit spielfreiem Eingriff, Bezugsprofil DIN 867 (Kopfhöhenfaktor 1, Kopfspielfaktor 0,25) und geraden Kopfkanten ohne Kopfkantenbruch. Innenverzahnung, Zahndickenabmaße und Flankenspiel sowie die Tragfähigkeit nach ISO 6336 sind nicht enthalten.
Ergebnisse
- Betriebsachsabstand a
- 99,195 mm
- Null-Achsabstand ad
- 97,5 mm
- Betriebseingriffswinkel αwt
- 22,5365 °
- Profilverschiebungssumme Σx
- 0,6
- Profilverschiebungsfaktor x1
- 0,4
- Profilverschiebungsfaktor x2
- 0,2
Raddurchmesser
- Teilkreis d1
- 60 mm
- Teilkreis d2
- 135 mm
- Kopfkreis da1
- 68,19 mm
- Kopfkreis da2
- 141,99 mm
- Fußkreis df1
- 54,9 mm
- Fußkreis df2
- 128,7 mm
- Grundkreis db1
- 56,382 mm
- Grundkreis db2
- 126,859 mm
- Betriebswälzkreis dw1
- 61,043 mm
- Betriebswälzkreis dw2
- 137,347 mm
Überdeckung
- Profilüberdeckung εα
- 1,473
- Sprungüberdeckung εβ
- 0
- Gesamtüberdeckung εγ
- 1,473
Kennwerte
- Zähnezahlverhältnis u = z2/z1
- 2,25
- Stirnmodul mt
- 3 mm
- Stirneingriffswinkel αt
- 20 °
- Kopfhöhenänderung k
- -0,105 mm
- Kopfspiel c
- 0,75 mm
- Profilverschiebung V1 = x1·mn
- 1,2 mm
- Profilverschiebung V2 = x2·mn
- 0,6 mm
- Ersatzzähnezahl zn1
- 20
- Ersatzzähnezahl zn2
- 45
- Unterschnittgrenze x_grenz1
- -0,351
- Unterschnittgrenze x_grenz2
- -1,813
- Normalzahndicke sn1 (Teilkreis)
- 5,586 mm
- Normalzahndicke sn2 (Teilkreis)
- 5,149 mm
Skizze: Kopf-, Teil- und Fußkreise beider Räder mit Betriebsachsabstand (maßstäblich)
Die Berechnung läuft in Ihrem Browser. Ihre Eingaben verlassen ihn nur, wenn Sie selbst einen Nachweis exportieren oder eine Berechnung speichern.
Formeln und Grundlagen
Stirnschnitt und Normalschnitt
Bei Schrägverzahnung ist zwischen dem Normalschnitt (Werkzeug, Fertigung) und dem Stirnschnitt (Eingriffsverhältnisse) zu unterscheiden. Aus dem Normalmodul folgen Stirnmodul und Stirneingriffswinkel:
Bei Geradverzahnung ist β = 0, damit mt = mn und αt = αn. Teilkreis und Grundkreis ergeben sich daraus zu d = z·mt und db = d·cos αt, der Null-Achsabstand des Radpaares zu ad = mn·(z1 + z2)/(2·cos β).
Betriebseingriffswinkel über die Evolventenfunktion
Die Evolventenfunktion inv α = tan α − α (α im Bogenmaß) verknüpft die Profilverschiebungssumme mit dem Betriebseingriffswinkel bei spielfreiem Eingriff:
Aus inv αwt muss der Winkel αwt zurückgerechnet werden. Die Gleichung ist nicht geschlossen auflösbar; früher wurde αwt aus einer Evolventenfunktionstabelle abgelesen. Der Rechner löst sie mit dem Newton-Verfahren aus f(α) = tan α − α − inv αwt und f'(α) = tan²α, Startwert α0 = (3·inv αwt)^(1/3) aus der Reihenentwicklung inv α ≈ α³/3. Abgebrochen wird, sobald der Newton-Schritt unter 1e-12 rad liegt, was im üblichen Bereich nach weniger als zehn Schritten erreicht ist.
Achsabstand und Profilverschiebungssumme
Mit dem Betriebseingriffswinkel folgt der Achsabstand des V-Getriebes:
Umgekehrt lässt sich ein konstruktiv vorgegebener Achsabstand durch Profilverschiebung einstellen. Dann wird zuerst αwt aus cos αwt = cos αt·ad/a bestimmt und daraus die erforderliche Summe:
Die Aufteilung auf beide Räder ist eine Auslegungsentscheidung: Ziel ist eine möglichst gleiche Zahnfußtragfähigkeit, ohne am Ritzel Unterschnitt zu erzeugen. Der Rechner folgt der Empfehlung nach DIN 3992 in der Näherungsform (u = z_Großrad/z_Kleinrad, bei Schrägverzahnung mit den Ersatzzähnezahlen zn):
Der zweite Faktor ergibt sich zwingend aus x2 = Σx − x1; entscheidend ist, dass die Summe eingehalten wird. Beide Faktoren lassen sich im Rechner anschließend im Modus „Faktoren x1/x2“ von Hand nachjustieren.
Kopfhöhenänderung und Kopfspiel
Bei einem Außenradpaar wächst der Achsabstand langsamer als die Profilverschiebungssumme. Ohne Gegenmaßnahme schrumpft dadurch das Kopfspiel. Die Kopfhöhenänderung gleicht das aus:
Sie ist beim Außenradpaar stets negativ, verkleinert also beide Kopfkreise. Mit dem Bezugsprofil nach DIN 867 (Kopfhöhenfaktor 1, Kopfspielfaktor 0,25) lauten die Durchmesser:
Der Fußkreis bleibt von der Kopfhöhenänderung unberührt, weil sie nur die Kopfkreise kürzt. Das vorhandene Kopfspiel ist c = a − 0,5·(da1 + df2); mit angewandter Kopfhöhenänderung ergibt sich exakt wieder c = 0,25·mn. Auf die Kopfhöhenänderung kann bei kleiner Profilverschiebungssumme oft verzichtet werden, weil das tiefere Zustellen des Verzahnungswerkzeugs zur Erzeugung des Flankenspiels sie teilweise ausgleicht - der Rechner bietet dafür einen Umschalter und zeigt das jeweils resultierende Kopfspiel.
Unterschnitt und Grenz-Profilverschiebung
Unter einer bestimmten Zähnezahl schneidet das Werkzeug beim Wälzen einen Teil der nutzbaren Evolvente weg. Die theoretische Grenzzähnezahl folgt aus zg = 2/sin²αn (für αn = 20° rund 17), als praktische Grenze gilt 14 Zähne. Für ein profilverschobenes Rad verschiebt sich diese Grenze:
zn ist die Ersatzzähnezahl des gedachten Geradstirnrads im Normalschnitt. Liegt der Profilverschiebungsfaktor eines Rades unter x_grenz, ist mit Unterschnitt zu rechnen; die Ampel des Rechners bewertet zusätzlich den Bereich zwischen praktischer und theoretischer Grenze als knapp.
Überdeckungsgrade
Die Profilüberdeckung ist das Verhältnis von Eingriffsstrecke zu Eingriffsteilung und gibt an, wie viele Zahnpaare im zeitlichen Mittel im Eingriff sind:
Sie soll mindestens 1,1 betragen, empfehlenswert sind mehr als 1,25. Bei Schrägverzahnung kommt die Sprungüberdeckung aus dem Schrägungssprung über der Zahnbreite hinzu, und beide ergeben zusammen die Gesamtüberdeckung:
Die Normalzahndicke am Teilkreis, wie sie in die Zeichnungsangabe eingeht, folgt aus sn = mn·(π/2 + 2·x·tan αn).
Berechnungsgrundlage
Alle Gleichungen entsprechen Roloff/Matek „Maschinenelemente“, Kapitel 21.1 (Geometrie der Stirnräder, Geradverzahnung) und 21.2 (Schrägstirnräder). Gerechnet wird ausschließlich das Außenradpaar mit spielfreiem Eingriff; Innenverzahnung (Hohlrad), Zahndickenabmaße und Flankenspiel sowie die Tragfähigkeit nach ISO 6336 sind nicht Teil dieser Berechnung.
Rechenbeispiel
Referenzbeispiel Geradverzahnung: Ein Radpaar z1 = 18, z2 = 50 mit Modul m = 3 mm hat den Null-Achsabstand ad = 3·68/2 = 102 mm. Konstruktiv gefordert ist aber a = 106,5 mm. Aus cos αwt = (102/106,5)·cos 20° = 0,899987 folgt der Betriebseingriffswinkel αwt = 25,8436°, daraus inv αwt = 0,0333 und mit inv 20° = 0,014904 die erforderliche Profilverschiebungssumme Σx = (0,0333 − 0,014904)/(2·tan 20°)·68 = +1,72. Die Aufteilung nach DIN 3992 liefert x1 ≈ +0,70 für das Ritzel und damit x2 = 1,72 − 0,70 = +1,02 für das Rad.
Damit ergeben sich d1 = 54 mm und d2 = 150 mm, die Fußkreise df1 = 50,7 mm und df2 = 148,62 mm. Rechnet man die Kopfkreise ohne Kopfhöhenänderung zu da1 = 64,2 mm und da2 = 162,12 mm, bleibt nur ein Kopfspiel von c = 106,5 − 0,5·(64,2 + 148,62) = 0,09 mm - deutlich zu wenig. Mit der Kopfhöhenänderung k = 106,5 − 102 − 3·1,72 = −0,66 mm werden die Kopfkreise auf da1 = 62,88 mm und da2 = 160,8 mm gekürzt, und das Kopfspiel liegt wieder bei den üblichen c = 0,75 mm = 0,25·m.
Referenzbeispiel Schrägverzahnung: Für z1 = 26, z2 = 86, mn = 4 mm, β = 15° und b = 50 mm als Nullräder ist αt = arctan(tan 20°/cos 15°) = 20,6469°, d1 = 107,67 mm, d2 = 356,14 mm und ad = 231,90 mm. Die Sprungüberdeckung beträgt εβ = 50·sin 15°/(π·4) = 1,03, die Profilüberdeckung εα = 1,64 und damit die Gesamtüberdeckung εγ = 2,67. Der Schrägungssprung allein deckt hier bereits einen vollen Zahn ab, weshalb Schrägverzahnungen deutlich ruhiger laufen als vergleichbare Geradverzahnungen.
Häufige Fragen
Wozu dient die Profilverschiebung überhaupt?
Sie hat drei praktische Zwecke. Erstens vermeidet eine positive Profilverschiebung am Ritzel den Unterschnitt bei kleinen Zähnezahlen, ohne dass ein Sonderwerkzeug nötig wäre - das Werkzeug wird beim Wälzen lediglich um x·mn nach außen versetzt. Zweitens lässt sich ein konstruktiv vorgegebener Achsabstand einstellen, der sich mit genormten Moduln als Nullgetriebe nicht treffen ließe. Drittens verteilt eine gezielte Aufteilung der Profilverschiebung die Zahnfußtragfähigkeit gleichmäßiger auf Ritzel und Rad. Teilkreis, Grundkreis und Teilung bleiben dabei unverändert.
Was ist der Unterschied zwischen Null-Getriebe, V-Null-Getriebe und V-Getriebe?
Beim Null-Getriebe sind beide Räder unverschoben (x1 = x2 = 0), der Achsabstand ist der Null-Achsabstand ad und der Betriebseingriffswinkel gleich dem Eingriffswinkel. Beim V-Null-Getriebe ist die Summe null (x1 = −x2), typischerweise mit positivem Ritzel und negativem Rad: Der Achsabstand bleibt ad, aber das Ritzel wird tragfähiger. Beim V-Getriebe ist Σx ungleich null, damit ändern sich Achsabstand und Betriebseingriffswinkel; Teil- und Betriebswälzkreise fallen dann nicht mehr zusammen.
Warum muss der Betriebseingriffswinkel iterativ bestimmt werden?
Die Evolventenfunktion inv α = tan α − α lässt sich nicht geschlossen nach α umstellen. Klassisch wird αwt deshalb aus einer Evolventenfunktionstabelle abgelesen. Numerisch ist die Umkehr unkritisch: Der Rechner nutzt das Newton-Verfahren mit f'(α) = tan²α und dem Startwert α0 = (3·inv αwt)^(1/3), der aus der Reihenentwicklung inv α ≈ α³/3 folgt. Im technisch relevanten Bereich von etwa 15° bis 30° konvergiert das in weniger als zehn Schritten auf Rechengenauigkeit.
Wann brauche ich die Kopfhöhenänderung k?
Immer dann, wenn die Profilverschiebungssumme so groß ist, dass das Kopfspiel unter den Wert des Bezugsprofils fällt. Beim Außenradpaar wächst der Achsabstand langsamer als mn·Σx, deshalb ist k stets negativ und kürzt beide Kopfkreise. Bei kleinen Summen kann man häufig darauf verzichten, weil das tiefere Zustellen des Werkzeugs zur Erzeugung des Flankenspiels den Effekt teilweise ausgleicht. Der Rechner zeigt das Kopfspiel in beiden Varianten - liegt es ohne Kopfhöhenänderung unter etwa 0,1·mn, sollte gekürzt werden.
Wie groß muss die Profilüberdeckung sein?
εα gibt an, wie viele Zahnpaare im zeitlichen Mittel gleichzeitig im Eingriff sind. Unter 1,0 reißt die Bewegungsübertragung ab, deshalb gilt mit Rücksicht auf Toleranzen und Zahnverformung εα ≥ 1,1 als Untergrenze und εα > 1,25 als anzustreben. Eine positive Profilverschiebungssumme vergrößert den Betriebseingriffswinkel und verkleinert damit εα - bei stark positivem Σx lohnt die Kontrolle. Bei Schrägverzahnung entlastet die Sprungüberdeckung εβ die Situation, weil für den Laufruhe-Nachweis die Gesamtüberdeckung εγ = εα + εβ maßgebend ist.
Welchen Schrägungswinkel soll ich wählen?
Bei Einfach- und Doppelschrägverzahnung sind 8° bis 20° üblich, bei Pfeilverzahnung 30° bis 45°. Ein größerer Winkel bringt mehr Sprungüberdeckung und damit ruhigeren Lauf, erzeugt aber eine größere Axialkraft, die Welle und Lager zusätzlich belastet. Praktisch sinnvoll ist es, den Schrägungswinkel so zu wählen, dass die Sprungüberdeckung mindestens 1,0 erreicht, der Zahn also über die Breite um mindestens eine Teilung versetzt ist. Ein bestimmter Achsabstand lässt sich bei Schrägverzahnung übrigens auch über den Schrägungswinkel statt über Profilverschiebung einstellen.
Deckt der Rechner auch Innenverzahnungen und die Tragfähigkeit ab?
Nein. Gerechnet wird ausschließlich das außenverzahnte Stirnradpaar. Bei einer Innenradpaarung (Hohlrad) sind Zähnezahl, Durchmesser und Achsabstand des Hohlrads vorzeichenbehaftet negativ einzusetzen, und die Kopfhöhenänderung kehrt ihr Vorzeichen um - das ist bewusst nicht enthalten. Für den Tragfähigkeitsnachweis auf Zahnfuß und Flanke ist der Zahnradrechner nach ISO 6336 zuständig; dieser Rechner liefert dessen geometrische Eingangsgrößen.
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