MRMaschinenbaurechner

Torsion & Verdrehung berechnen

Berechnen Sie Torsionsschubspannung und Verdrehwinkel gerader Stäbe unter Torsionsmoment nach der St.-Venantschen Torsionstheorie. Querschnitt wählen - Vollkreis, Kreisrohr, dünnwandig geschlossenes Bredt-Profil, Rechteck oder offenes dünnwandiges Profil aus I, U, L und Schlitzrohr -, Moment, Länge und Werkstoff eingeben, der Rechner liefert W_t, I_t, τ und φ, den Schubnachweis gegen die Fließgrenze und die bezogene Verdrillung gegen den Steifigkeits-Richtwert, beides mit Ampelbewertung, live mit jeder Eingabe.

Berechnung

Belastung und System
Querschnitt

Querschnittswerte

W_t
53.922 mm³
I_t
1.752.481 mm⁴
Werkstoff und Nachweis

Modell: gerader, prismatischer Stab, reine Torsion nach St.-Venant (freie Verwölbung, linear-elastisch). Keine Wölbbehinderung, keine überlagerte Biegung, keine Kerbwirkung, kein Beul- oder Ermüdungsnachweis. Für umlaufende Wellen zusätzlich DIN 743 (Wellen-Rechner) verwenden.

Ergebnisse

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Formeln und Grundlagen

Grundgleichungen der Torsion

Grundlage ist die St.-Venantsche Torsionstheorie der reinen Torsion bei freier Verwölbung: Das Torsionsmoment T erzeugt eine Schubspannung und verdreht den Stab über seine Länge L:

τ = T/W_t φ = T·L/(G·I_t)

W_t ist das Torsionswiderstandsmoment (bestimmt die Spannung), I_t das Torsionsflächenmoment (bestimmt die Verdrehung), G der Schubmodul (Stahl ≈ 81000 N/mm²). Nur beim Kreis und Kreisrohr fällt I_t mit dem polaren Flächenträgheitsmoment I_p zusammen; bei allen anderen Querschnitten ist I_t kleiner, weil sich der Querschnitt verwölbt.

Querschnittswerte: Kreis, Rohr und Bredt-Profil

Beim Kreis folgen die Querschnittswerte aus geschlossenen Formeln:

Vollkreis: W_t = π·d³/16 I_t = π·d⁴/32 Kreisrohr: W_t = π·(D⁴−d⁴)/(16·D) I_t = π·(D⁴−d⁴)/32

Dünnwandig geschlossene Hohlprofile rechnet der Rechner nach den beiden Bredtschen Formeln; die Schubspannung ist dort über die Wandstärke näherungsweise konstant:

τ = T/(2·A_m·t) also W_t = 2·A_m·t I_t = 4·A_m²/(∫ds/t) bei konstanter Wandstärke I_t = 4·A_m²·t/U

Dabei ist A_m die von der Wandmittellinie umschlossene Fläche und U deren Umfang - beide gehören zur Mittellinie und nicht zur Außenkontur. Für das Rechteckrohr geben Sie deshalb die Rohmaße ein: Außenbreite b, Außenhöhe h und Wandstärke t. Die Mittellinie liegt in jeder Wand um t/2 weiter innen, ihre Seiten sind also b − t und h − t:

A_m = (b − t)·(h − t) U = 2·((b − t) + (h − t))

Genau diese Umrechnung ist der klassische Anwendungsfehler der Bredtschen Formeln. Beim Rechteckrohr 80 × 40 × 4 liefert die Außenkontur A_m = 3200 mm² statt 2736 mm², also 17 Prozent zu viel; die Schubspannung fällt damit 14,5 Prozent zu niedrig und die Verdrehung 21,7 Prozent zu klein aus - beides auf der unsicheren Seite. Wer A_m und U aus eigener Quelle hat, etwa für ein Dreiecks- oder Sonderprofil, gibt sie über den zweiten Eingabeweg direkt ein.

Rechteck-Vollquerschnitt

Für den tordierten Rechteckquerschnitt gibt es keine elementare Lösung; die Lehrbücher drucken deshalb Beiwerte über dem Seitenverhältnis. Der Rechner wertet stattdessen die St.-Venantsche Reihenlösung aus, aus der diese Tafeln stammen:

I_t = (1/3)·a·b³·[1 − (192/π⁵)·(b/a)·Σ tanh(k·π·a/(2·b))/k⁵] W_t = I_t/(b·[1 − (8/π²)·Σ 1/(k²·cosh(k·π·a/(2·b)))])

summiert über die ungeraden k = 1, 3, 5 …, mit langer Seite a und kurzer Seite b. Die Reihe trifft jede Zeile der klassischen Beiwerttafel (Dubbel, Hütte, Läpple, Böge) auf 0,3 Prozent genau, also innerhalb der dreistelligen Tafelrundung selbst: Für a/b = 2 liefert sie W_t = 0,246·a·b² und I_t = 0,229·a·b³. Die verbreitete Näherung W_t = a²·b²/(3·a + 1,8·b) trifft dagegen nur die Grenzfälle Quadrat und schmaler Streifen; bei a/b = 2 liegt sie 4,3 Prozent zu hoch und die Spannung damit zu niedrig. Für einen Rechteck-Vollquerschnitt 60 × 30 aus S235 unter 1250 Nm ist das der Unterschied zwischen S = 1,50 und S = 1,44, also zwischen erfülltem und nicht erfülltem Nachweis. Die größte Schubspannung liegt am Rand in der Mitte der langen Seite; in den Ecken ist τ = 0.

Offenes dünnwandiges Profil

Ein offenes Profil - I, U, L, T, Kreuz, Schlitzrohr oder schlichter Flachstahl - kann keinen umlaufenden Schubfluss bilden. Es wird als Summe seiner Rechteckteile gerechnet, jedes mit abgewickelter Länge h_i und Dicke t_i:

I_t = (η/3)·Σ h_i·t_i³ W_t = I_t/t_max

Wie die Teile angeordnet sind, geht in diese Formel nicht ein - nur wie lang und wie dick sie sind. Die Eingabe verlangt trotzdem eine benannte Profilform mit fester Teilezahl: Flachstahl ein Teil, L, T und Kreuz zwei, U, I und IPB drei. Der Grund ist der Geltungsbereich der Formel - sie gilt für einfach berandete, also einteilige Querschnitte (Hütte, 33. Aufl., S. E 81). Ein loses Blechpaket ist damit kein Fall für diesen Rechner, weil seine Bleche keinen einteiligen Querschnitt bilden.

Gemessen wird überschneidungsfrei nach Dubbel, 22. Aufl., S. C 27, Tab. 6, Zeile 11: Ein Teil geht durch und bekommt die Ecke, das andere beginnt an dessen Innenkante. Beim Doppel-T ist h des Stegs deshalb die lichte Höhe zwischen den Flanschen und nicht die Profilhöhe; beim Winkel bekommt der stehende Schenkel die volle Höhe, der waagerechte beginnt an dessen Innenkante. Das Kreuz ist die Ausnahme: Dort durchdringen sich beide Stege, jeder wird mit seinem vollen Maß eingetragen, und der doppelt gezählte Kreuzungsbereich steckt in η = 1,17.

Der Walzbeiwert η ist der Zuschlag für den schubstarren Verbund - und nicht, so nahe es liegt, ein Zuschlag für den Werkstoff in den Ausrundungen an den Anschlussstellen. Die Summenformel behandelt die Teilrechtecke als unabhängig; sie setzt voraus, „dass keine Schubspannungen zwischen den einzelnen Querschnittsteilen übertragen werden" (Wriggers/Nackenhorst/Beuermann/Spiess/Löhnert, Technische Mechanik kompakt, 2. Aufl. 2006, S. 235). Genau das verletzt ein gewalztes Profil: Seine Teile hängen fest zusammen und können sich nicht mehr frei verwölben - „durch die Behinderung der Verwölbung wird das Torsionsträgheitsmoment größer" (ebenda, S. 235/236, Tab. 13.3). Für den Flachstahl folgt daraus η = 1,00, und das ist dort nicht bloß konservativ, sondern richtig: Ein einzelnes Rechteck hat kein Nachbarteil, das seine Verwölbung behindern könnte.

Die Zahlen selbst sind gemessen und nicht hergeleitet. Hirschfeld, Baustatik, 5. Aufl., S. 127, Gl. (22), führt sie als Versuchswerte von Föppl für Walzprofile auf, mit Größenbereichen je Reihe (L 40/50 bis 80/120 mm, U und T 80 bis 300 mm, I 100 bis 300 mm, IPB 160 bis 240 mm); Dubbel und Hütte drucken dieselben Werte ohne Bereichsangabe: 0,99 für L, 1,12 für U und T, 1,17 für Kreuz, 1,29 für IPB/HEB und 1,31 für I. Zwei Abweichungen zwischen den Quellen, damit sie niemand für Tippfehler hält: Holzmann/Meyer/Schumpich führen für I 1,32 statt 1,31, und Hirschfeld gibt für das gleichschenklige L 1,03 an, während 0,99 für ungleichschenklige gilt. Der Rechner nimmt durchweg den kleineren Wert - er liefert das kleinere I_t und damit die größere Verdrehung und Spannung.

W_t = I_t/t_max führt auf den Nennwert der größten Schubspannung; er sitzt in der Mitte der Längsseite des dicksten Rechtecks. Das wirkliche Maximum liegt woanders, nämlich an der einspringenden Ecke, wo Steg und Flansch zusammenlaufen (Dubbel, Bild 36 c, Strömungsgleichnis am Winkelprofil; Läpple, Bild 11.7; Hütte, S. E 91: „z. B. in einspringenden Ecken einer Querschnittskontur"). Die Hütte beziffert es auf S. E 83 mit τ_max = τ·[c + √(1+c²)] und c = t/(4·r), mit dem Ausrundungsradius r: t/r = 1 ergibt den Faktor 1,28, r = t/2 den Faktor 1,62, r = t/4 den Faktor 2,41, und für die scharfe Ecke wächst er unbegrenzt. Bei einem IPE mit t_Steg = 5,6 mm und r = 12 mm sind es 1,12. Der Rechner rechnet diesen Faktor nicht mit - wer eine scharf gekantete oder geschweißte Innenecke hat, setzt ihn selbst an.

Die Summenformel setzt schlanke Einzelrechtecke voraus. Dankert/Dankert, Technische Mechanik, 4. Aufl. 2006, S. 360, beziffert die Abweichung beim Dickenverhältnis t/h = 0,1, also genau bei h/t = 10, mit etwa 6 Prozent für I_t wie für W_t. Die Richtung steht auf derselben Seite: Die Näherung überschätzt die Steifigkeit um 6 Prozent und unterschätzt die Spannung um 10 Prozent, bei der Spannung also auf der unsicheren Seite. Unterhalb dieses Verhältnisses weist der Rechner darauf hin.

Schubnachweis und Steifigkeitsnachweis

Der Schubnachweis vergleicht die maximale Torsionsschubspannung mit der Schub-Fließgrenze nach der Gestaltänderungsenergie-Hypothese (von Mises):

τ_F = R_e/√3 τ_zul = τ_F/S_erf S_vorh = τ_F/τ

Bewertet wird die Auslastung S_erf/S_vorh: Über 1,0 ist der Nachweis nicht geführt und die Ampel steht auf Rot; zwischen 0,9 und 1,0 ist er geführt, aber ohne nennenswerte Reserve, und die Ampel steht auf Gelb. Als zweiter Schritt folgt der Steifigkeitsnachweis über die bezogene Verdrillung, den Verdrehwinkel je Meter Stablänge:

φ' = φ/L = T/(G·I_t)

Der Rechner gibt sie in Grad je Meter aus und stellt ihr einen Richtwert gegenüber: Roloff/Matek nennt 0,25 bis 0,5 Grad je Meter für Getriebe- und Maschinenwellen. Das ist Gebrauchstauglichkeit und kein Normnachweis, deshalb wird die Verdrillung getrennt vom Spannungsnachweis und mit eigenen Worten bewertet. Bei langen Wellen und erst recht bei offenen Profilen wird fast immer die Steifigkeit maßgebend und nicht die Spannung.

Rechenbeispiel

Der Rechner startet mit der Voreinstellung: Vollwelle d = 65 mm aus S355 (G = 81000 N/mm², R_e = 355 N/mm²), Torsionsmoment T = 500 Nm über eine Länge von L = 1000 mm, erforderliche Sicherheit S_erf = 1,5 und Richtwert für die Verdrillung 0,25 Grad je Meter. Die Querschnittswerte sind W_t = π·65³/16 = 53922 mm³ und I_t = π·65⁴/32 = 1752481 mm⁴.

Daraus folgt die Torsionsschubspannung τ = T/W_t = 500000/53922 = 9,27 N/mm² und der Verdrehwinkel φ = T·L/(G·I_t) = 500000·1000/(81000·1752481) = 0,00352 rad = 0,202°. Die Schub-Fließgrenze ist τ_F = 355/√3 = 205 N/mm², daraus die zulässige Spannung τ_zul = 205/1,5 = 136,6 N/mm² und die vorhandene Sicherheit S_vorh = 205/9,27 = 22,1. Die bezogene Verdrillung beträgt 0,202 Grad je Meter und schöpft den Richtwert zu 81 Prozent aus. Beide Bewertungen stehen auf Grün.

Dass die Sicherheit dabei bei 22 liegt, ist kein Zeichen einer überdimensionierten Welle, sondern die Kernaussage des Rechners: Maßgebend ist die Steifigkeit und nicht die Spannung. Dieselbe Welle mit d = 40 mm hätte immer noch S_vorh = 5,15, würde sich aber um 1,407 Grad je Meter verdrehen - das 5,6-fache des Richtwerts. Der Grund ist der Exponent: Die Verdrillung fällt mit der vierten Potenz des Durchmessers, die Spannung nur mit der dritten.

Ein dünnwandig geschlossenes Quadratrohr 100 × 100 × 5 mm wird über die Rohmaße eingegeben; der Rechner bildet daraus die Wandmittellinie 95 × 95 mm, also A_m = 9025 mm² und U = 380 mm. Selbst unter dem doppelten Moment von 1000 Nm ist die Schubspannung nach Bredt nur τ = T/(2·A_m·t) = 1000000/(2·9025·5) = 11,08 N/mm², und mit I_t = 4·A_m²·t/U = 4286875 mm⁴ verdreht sich das Rohr um 0,165 Grad je Meter - gut achtmal weniger als die 40er-Vollwelle unter dem halben Moment. Es wiegt mit 14,9 kg je Meter zwar mehr als diese Welle (9,9 kg/m), ist dafür aber 17-mal torsionssteifer.

Was ein einziger Längsschlitz daraus macht, zeigt der dritte Fall. Ein Rohr 84 × 76 mm (Mittellinien-Durchmesser d_m = 80 mm, Wandstärke s = 4 mm) trägt 500 Nm mit τ = 13,0 N/mm² und verdreht sich um 0,22 Grad je Meter. Aufgeschlitzt ist es ein offenes Profil aus einem einzigen Rechteck, im Rechner also die Profilform Flachstahl: abgewickelte Länge h = π·80 = 251,3 mm, Dicke t = 4 mm, η = 1,00. Damit sind W_t = 1340 mm³ und I_t = 5362 mm⁴ - die Schubspannung springt auf 373 N/mm² und liegt weit über τ_F = 205 N/mm², die Verdrehung auf 66 Grad je Meter. Die Verhältnisse stehen schon in den Formeln: Beim dünnwandigen Rohr ist W_t geschlossen zu offen (3/2)·(d_m/s) und I_t geschlossen zu offen (3/4)·(d_m/s)², bei d_m/s = 20 also 30 und 300 (Läpple, Lösungsbuch, Aufgabe 11.4); mit der exakten Kreisrohrformel des Rechners sind es 28,6 und 301.

Ein gewalztes Profil zeigt dieselbe Schwäche. Ein IPE 200 wird als I-Profil mit drei Teilen eingegeben: Flansch oben und unten je 100 mm breit und 8,5 mm dick, dazwischen der Steg mit der lichten Höhe 200 − 2·8,5 = 183 mm bei 5,6 mm Dicke, Walzbeiwert η = 1,31. Daraus folgen I_t = (1,31/3)·(2·100·8,5³ + 183·5,6³) = 67667 mm⁴ und W_t = I_t/8,5 = 7961 mm³; der Tabellenwert I_T = 6,98 cm⁴ liegt gut 3 Prozent darüber - η ist ein über die ganze Profilreihe gemittelter Versuchswert (Hirschfeld nennt für I den Bereich 100 bis 300 mm) und trifft das einzelne Profil nicht genau. Unter 500 Nm sind das τ = 62,8 N/mm² und 5,23 Grad je Meter - derselbe Träger, der in der Biegung ein I_y von 1943 cm⁴ mitbringt, verdreht sich unter demselben Moment 26-mal stärker als die 65er-Vollwelle. Wer für den Steg statt der lichten Höhe die Profilhöhe 200 mm einsetzt, bekommt ein um 1,9 Prozent zu großes I_t: wenig, aber auf der unsicheren Seite.

Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich Torsionsflächenmoment I_t und polares Flächenträgheitsmoment I_p?

Nur beim Kreis und Kreisrohr sind beide gleich, weil diese Querschnitte sich bei Torsion nicht verwölben. Bei allen anderen Querschnitten (Rechteck, offene und geschlossene Profile) ist das für die Verdrehung maßgebende I_t kleiner als I_p. Wer für ein Rechteck oder Hohlprofil mit I_p rechnet, überschätzt die Steifigkeit deutlich - der Rechner verwendet immer das korrekte I_t.

Was bedeuten die beiden Bredtschen Formeln?

Sie gelten für dünnwandig geschlossene Hohlprofile. Die 1. Bredtsche Formel gibt die über die Wandstärke konstante Schubspannung τ = T/(2·A_m·t) mit der von der Wandmittellinie umschlossenen Fläche A_m. Die 2. Bredtsche Formel liefert die Verdrehung über I_t = 4·A_m²/(∫ds/t), bei konstanter Wandstärke I_t = 4·A_m²·t/U. Wichtig ist A_m als Fläche der Mittellinie, nicht der Außenkontur.

Wie komme ich für ein Rechteckrohr an A_m und U?

Gar nicht - Sie geben die Rohmaße ein. Wählen Sie beim geschlossenen Profil die Eingabe über die Außenmaße, tragen Sie Außenbreite b, Außenhöhe h und Wandstärke t ein, und der Rechner bildet die Wandmittellinie selbst: A_m = (b − t)·(h − t) und U = 2·((b − t) + (h − t)). Das ist der Regelweg, weil A_m und U dieselbe Mittellinie beschreiben und sich als zwei freie Zahlen unbemerkt gegeneinander verstimmen lassen. Wer die Außenkontur einsetzt, rechnet sich reich: Beim Rechteckrohr 80 × 40 × 4 ergibt sie A_m = 3200 statt 2736 mm², die Schubspannung fällt 15 Prozent zu niedrig und die Verdrehung 22 Prozent zu klein aus. Die Direkteingabe von A_m und U bleibt für Querschnitte, die kein Rechteckrohr sind; dort prüft der Rechner wenigstens, ob der eingegebene Umfang die eingegebene Fläche überhaupt umschließen kann.

Rechnet der Rechner offene Profile mit, und warum sind sie so viel schlechter?

Ja, offene dünnwandige Profile sind ein eigener Querschnittstyp: I, U, L, T, Kreuz, Schlitzrohr oder Flachstahl. Eingegeben wird eine benannte Profilform mit fester Teilezahl - Flachstahl ein Teil, L, T und Kreuz zwei, U, I und IPB drei -, nicht mehr eine frei verlängerbare Liste loser Rechtecke: Die Summenformel gilt für einfach berandete, also einteilige Querschnitte (Hütte, 33. Aufl., S. E 81). Der Unterschied zum geschlossenen Profil bleibt gewaltig. Im geschlossenen Profil läuft der Schubfluss als Ring um den Hohlraum und erzeugt ein großes inneres Moment (Bredt); ein offenes Profil kann diesen Ring nicht bilden, jedes Rechteck muss den Schubfluss in sich selbst schließen. Für ein geschlitztes Rohr mit Mittellinien-Durchmesser d_m und Wandstärke s trägt das geschlossene Rohr bei gleicher Spannung das (3/2)·(d_m/s)-fache Moment und ist um (3/4)·(d_m/s)² steifer - bei d_m/s = 20 also 30-fach tragfähiger und 300-fach steifer. Ein Schlitz von einem Millimeter Breite genügt dafür, denn er unterbricht den Ringfluss vollständig.

Was ist der Walzbeiwert η, und welchen nehme ich?

Er steht in I_t = (η/3)·Σ h_i·t_i³ und ist der Zuschlag für den schubstarren Verbund der Teile - nicht, so nahe es liegt, ein Zuschlag für den Werkstoff in den Ausrundungen an den Anschlussstellen. Die Summenformel behandelt die Teilrechtecke als unabhängig und setzt voraus, dass zwischen ihnen keine Schubspannungen übertragen werden (Wriggers/Nackenhorst/Beuermann/Spiess/Löhnert, Technische Mechanik kompakt, 2. Aufl. 2006, S. 235). Ein gewalztes Profil verletzt genau das: Seine Teile hängen fest zusammen und können sich nicht mehr frei verwölben, und die behinderte Verwölbung vergrößert das Torsionsträgheitsmoment (ebenda, Tab. 13.3). Die Zahlen sind Versuchswerte für Walzprofile (Hirschfeld, Baustatik, 5. Aufl., S. 127, Gl. (22), nach Versuchen von Föppl; ebenso Dubbel und Hütte): 0,99 für L, 1,12 für U und T, 1,17 für Kreuz, 1,29 für IPB/HEB und 1,31 für I. Sie wählen den Beiwert nicht getrennt, sondern über die Profilform - er folgt aus ihr. Für den Flachstahl gilt η = 1,00, und dort ist das nicht nur konservativ, sondern richtig: ein einzelnes Rechteck hat kein Nachbarteil, das seine Verwölbung behindern könnte. Für geschweißte oder gekantete Profile wählen Sie die formgleiche Reihe; eine freie Summe aus mehreren Flachstählen nimmt der Rechner nicht entgegen, weil die Formel einen einteiligen Querschnitt voraussetzt. Beachten Sie dabei, dass η aus Versuchen an WALZPROFILEN stammt: Bei einer geschweißten oder scharf gekanteten Innenecke ohne Ausrundung liegt es auf der unsicheren Seite - dort ist der Beiwert der Walzreihe zu günstig.

Wo sitzt die größte Schubspannung im offenen Profil wirklich?

Nicht dort, wo die Tafelformel sie ausweist. W_t = I_t/t_max liefert den Nennwert in der Mitte der Längsseite des dicksten Rechtecks; das wirkliche Maximum liegt an der einspringenden Ecke, also am Übergang von Steg und Flansch. Das Strömungsgleichnis zeigt es anschaulich (Dubbel, Bild 36 c, am Winkelprofil; Läpple, Bild 11.7), und die Hütte nennt auf S. E 91 ausdrücklich die einspringenden Ecken einer Querschnittskontur. Beziffert wird es dort auf S. E 83 mit τ_max = τ·[c + √(1+c²)] und c = t/(4·r), wobei r der Ausrundungsradius ist: Bei t/r = 1 sind es 1,28, bei r = t/2 schon 1,62, bei r = t/4 dann 2,41, und für die scharfe, unausgerundete Ecke wächst der Faktor unbegrenzt. Bei einem gewalzten IPE mit t_Steg = 5,6 mm und r = 12 mm bleibt es bei 1,12. Der Rechner setzt diesen Faktor nicht an - er weist die Nennspannung aus. Bei gewalzten Profilen mit großzügigem Radius ist der Aufschlag klein; bei geschweißten oder scharf gekanteten Innenecken gehört er dazu, entweder über diese Formel oder über einen Kerbwirkungsnachweis.

Wann wird die Rechnung für ein offenes Profil unsicher?

An zwei Stellen, und der Rechner weist auf beide hin. Erstens setzt die Summenformel schlanke Einzelrechtecke voraus. Dankert/Dankert, Technische Mechanik, 4. Aufl. 2006, S. 360, beziffert die Abweichung beim Dickenverhältnis t/h = 0,1, also genau bei h/t = 10, mit etwa 6 Prozent für I_t wie für W_t; die Näherung überschätzt dabei die Steifigkeit um 6 Prozent und unterschätzt die Spannung um 10 Prozent, bei der Spannung also auf der unsicheren Seite. Ein 100 mm breiter, 10 mm dicker Flansch ist damit genau der Grenzfall, alles Gedrungenere liegt darunter - ein Walzflansch wie der des IPE 200 mit 100 × 8,5 mm liegt mit h/t = 11,8 knapp darüber, die Schenkel von U- und L-Profilen dagegen regelmäßig darunter. Zweitens erfasst der Rechner nur die St.-Venantsche Torsion mit freier Verwölbung. Offene Profile verwölben sich stark, und sobald diese Verwölbung behindert wird - eingespanntes Ende, aufgeschweißte Stirnplatte, Krafteinleitung über ein Anschlussblech -, trägt zusätzlich die Wölbkrafttorsion. Bei kurzen, an den Enden gehaltenen offenen Trägern kann sie den größeren Anteil übernehmen und lässt sich mit diesem Rechner nicht abschätzen; dafür ist ein Nachweis nach der Wölbkrafttorsionstheorie mit dem Wölbwiderstand C_M nötig. Der Hinweis auf die Verwölbung erscheint auch beim Rechteck, denn er hängt an der Nichtkreisförmigkeit und nicht am offenen Profil.

Welche Schub-Fließgrenze wird für den Nachweis angesetzt?

Sie wählen sie. Voreingestellt ist die Gestaltänderungsenergie-Hypothese (von Mises) mit τ_F = R_e/√3 ≈ 0,577·R_e; umschaltbar ist die Schubspannungshypothese (Tresca) mit τ_F = R_e/2, die 15,5 Prozent niedriger liegt und damit auf der sicheren Seite. Läpple bemisst Torsion durchweg mit R_e/2. Welche Hypothese gerechnet wurde, steht im Nachweis in der Eingabenliste. Daraus folgt die zulässige Schubspannung τ_zul = τ_F/S_erf und die vorhandene Sicherheit S_vorh = τ_F/τ, die mit der geforderten Sicherheit S_erf verglichen wird.

Welche erforderliche Sicherheit soll ich wählen?

Zur Wahl stehen 1,2 / 1,35 / 1,5 / 1,7 / 2,0 und ein freier Wert; voreingestellt ist 1,5, der am breitesten belegte Einzelwert (Roloff/Matek, Böge, Tabellenbuch Metall). Gestaffelt wird nach Schadensfolge und Güte der Lastannahme: 1,2 bei gesicherter Lastannahme und geringer Schadensfolge, 1,35 bei gesicherter Lastannahme und großer Schadensfolge, 1,7 für die Vordimensionierung mit noch offenem Querschnitt, 2,0 bei Personengefährdung oder unsicherer Last. Nicht gestaffelt wird nach ruhender, schwellender oder wechselnder Last - der Lastfall steckt im Werkstoffkennwert und nicht in der Sicherheitszahl. Wer schwingend belastet, braucht einen Dauerfestigkeitsnachweis (Wellenrechner nach DIN 743) und keinen größeren Faktor. Die Reihe gilt für zähe Werkstoffe gegen die Streckgrenze; spröde Werkstoffe werden mit 4,0 bis 9,0 gegen die Zugfestigkeit nachgewiesen (Läpple, Tab. 2.2).

Woher kommen Schubmodul und Streckgrenze der Werkstoffliste?

Es sind publizierte Richtwerte aus den Erzeugnisnormen: EN 10025-2 für die Baustähle S235 und S355 sowie E295, EN 10083-2/-3 für C45 und 42CrMo4, EN 10088-2 für den nichtrostenden X5CrNi18-10 und EN 755-2 für die Aluminiumlegierungen. Die Streckgrenzen gelten für Erzeugnisdicken bis 16 mm; dickere Halbzeuge liegen darunter, bei S355 nach EN 10025-2 zum Beispiel 345 N/mm² bis 40 mm und 335 N/mm² bis 63 mm. Der Schubmodul ist mit 81000 N/mm² für Stahl, 77000 N/mm² für den austenitischen Stahl und 26000 N/mm² für Aluminium angesetzt. Wer ein Abnahmeprüfzeugnis, ein Datenblatt oder einen anderen Werkstoff hat, wählt in der Liste die freie Eingabe und trägt G und R_e selbst ein.

Was ist die bezogene Verdrillung, und wann ist sie zu groß?

Sie ist der Verdrehwinkel je Meter Stablänge, φ' = T/(G·I_t), im Rechner in Grad je Meter. Roloff/Matek (18. Auflage, S. 358) nennt dafür 0,25 bis 0,5 Grad je Meter für Getriebe- und Maschinenwellen und führt den Steifigkeitsnachweis ausdrücklich als zweiten Schritt nach dem Spannungsnachweis. Zur Wahl stehen drei Stufen - 0,25 für Getriebe- und Werkzeugmaschinenwellen, 0,35 für den allgemeinen Maschinenbau, 0,5 für untergeordnete Wellen - und jeder eigene Wert. Es ist ein Richtwert der Gebrauchstauglichkeit und kein Normnachweis; maßgebend ist, was die Funktion verträgt. Wo die Verdrehung selbst stört - Teilung eines Rundschalttischs, Winkellage eines Messsystems, Drehschwingungen im Antriebsstrang -, gilt der eigene, meist strengere Wert. Weil φ' mit der vierten Potenz des Durchmessers fällt, die Spannung aber nur mit der dritten, ist bei langen Wellen fast immer die Steifigkeit maßgebend und nicht die Festigkeit. Beim offenen Profil steht die Ampel mit den Startwerten deshalb auf Rot, und das ist keine Fehlbedienung: Ein IPE 200 verdreht sich unter 500 Nm um 5,2 Grad je Meter, ein U 200 um 3,1 - der Wellen-Richtwert von 0,25 Grad je Meter ist für ein solches Profil der falsche Maßstab. Wer ein offenes Profil auf Torsion beansprucht, prüft, was die Funktion verträgt, und stellt den Richtwert entsprechend ein; wo es auf Torsionssteifigkeit ankommt, gehört ohnehin ein geschlossenes Profil hin.

Ich kenne nur Leistung und Drehzahl - wie komme ich auf das Torsionsmoment?

Über T = 9550·P/n mit P in kW, n in Umdrehungen je Minute und T in Nm. Die Zahl ist 30000/π = 9549,3 und folgt aus P = T·ω mit ω = 2·π·n/60. Beispiel: 7,5 kW bei 1450 min⁻¹ ergeben 49,4 Nm. Hinter einem Getriebe rechnen Sie mit der Abtriebsdrehzahl, sonst mit der Motordrehzahl; den Weg samt Einheiten nimmt Ihnen der Rechner Drehmoment, Drehzahl & Leistung ab. Wichtig ist der Unterschied zwischen Nenn- und Spitzenmoment: Für den Nachweis gegen die Streckgrenze zählt das größte auftretende Moment - Anfahren, Bremsen, Blockieren -, nicht das Dauermoment im Betrieb.

Was bedeuten grün, gelb und rot?

Der Rechner bewertet zwei Dinge getrennt. Beim Schubnachweis zählt die Auslastung, also die geforderte Sicherheit bezogen auf die vorhandene. Rot heißt: der Nachweis ist nicht geführt - die Torsionsschubspannung liegt über τ_zul = τ_F/S_erf. Gelb heißt: geführt, aber mit weniger als 10 Prozent Reserve. Eine vorhandene Sicherheit unter der geforderten ist damit rot und nicht gelb, denn ein nicht geführter Nachweis ist nicht grenzwertig, sondern nicht erfüllt. Bei der bezogenen Verdrillung gilt dieselbe Richtung, nur gegen einen Richtwert statt gegen eine Fließgrenze: Rot heißt, der eingestellte Richtwert ist überschritten, gelb heißt, er ist zu mehr als 90 Prozent ausgeschöpft. Wer mehr Reserve will, erhöht S_erf oder verschärft den Richtwert, statt die Ampel zu deuten.

Wofür gilt die Rechnung - und wo sind die Grenzen?

Für gerade, prismatische Stäbe unter reiner Torsion (St.-Venant) mit freier Verwölbung, linear-elastisch. Nicht berücksichtigt sind Wölbbehinderung (z.B. an Einspannungen offener Profile), überlagerte Biegung, Kerbwirkung an Absätzen und Nuten sowie örtliches Beulen dünnwandiger Querschnitte. Für umlaufende, dauerbeanspruchte Wellen ist zusätzlich ein Ermüdungsnachweis nach DIN 743 zu führen.

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